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Goethe 45: Wo früher keiner wohnen wollte, herrscht heute emsiger Kulturbetrieb

18.12.2018, Autor: Wolfgang Heumer
Das Haus an der Goethestraße 45 in Bremerhaven stand lange leer und galt als nicht mehr viermietbar. Doch inzwischen ist es von Grund auf saniert und ein ansprechendes Kreativzentrum geworden, dessen Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Es zeigt: Der Wandel kann gelingen. Davon profitieren alle im Viertel.

Wunderschönes Gründerzeitquartier mit Potenzial

Das Viertel rund um die Goethestraße in Bremerhaven ist etwas Besonderes. Ein Gründerzeitquartier fast ohne Bausünden aus den 1960er Jahren – woanders würden Hipster und Besserverdienende Schlange stehen, um in einem solch pittoresken Ambiente eine Wohnung zu ergattern. Bremerhaven ist mit knapp 120.000 Einwohnern jedoch keine Großstadt wie Berlin oder Hamburg. Häuser stehen leer, der Hartz IV-Anteil im Stadtteil ist hoch. Doch inzwischen tut sich Entscheidendes: Investoren und Kulturschaffende haben das Viertel mit Unterstützung der Stadt für sich entdeckt, und die gelbe Leuchtschrift „Goethe 45“ an der Goethestraße 45 weist den Weg in eine vielversprechende Zukunft.

Kreative geben positiven Impuls für das ganze Viertel

Unter dem Schild, im Erdgeschoss, hat vor fünf Jahren mit einer Galerie eine Geschichte begonnen, die jetzt mit der Sanierung des ganzen Hauses und dem Einzug von Künstlern, Kunsthandwerkern, Start-ups und anderen Mietparteien um ein spannendes Kapitel ergänzt wird. Kreative sollen hier unter einem Dach leben und arbeiten können. „Kreative sind gut fürs Renommee“, lacht Moritz Schmeckies, der so etwas wie der freiberufliche Hausmanager der „Goethe 45“ ist. Und etwas ernster fügt der 37-Jährige hinzu: „Mit dem Kreativhaus wollen wir einen Impuls geben, um neues Leben und neue Menschen in das Viertel zu bringen, ohne die alten Bewohner zu vertreiben.“ Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass der Plan aufgeht.

Leuchtturm für den Umbruch

Die nahezu originalgetreu renovierte „Goethe 45“ lässt nicht mehr erkennen, dass das fünfstöckige Haus mit zehn Wohnungen, erbaut 1904, einst heruntergekommen war und lange leer stand. Das Treppenhaus ist hell und freundlich, die alten Stufen und das geschickt restaurierte Geländer schaffen Atmosphäre. In den Werkräumen der ersten Etage, die von Künstlern jeder Art genutzt werden können, und in den Wohnungen darüber ist der knarzende Holzboden zu neuem Glanz gekommen. Der moderne Fahrstuhl ist in einer Stahlkonstruktion im Hinterhof installiert. Im Außenbereich stehen und hängen diverse Kunstwerke. „Ist schick geworden“, zollt Moritz Schmeckies den Planern und Handwerkern der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft STÄWOG Respekt, die das Gebäude saniert haben.“ Es ist gewissermaßen der Leuchtturm, der für ein Viertel im Umbruch die Orientierung gibt.

Als erstes zog eine Galerie ein

Vor Jahren war dieser Umbruch allenfalls für Optimisten zu erahnen. Als Folge verschiedener Umstände schien das Viertel rund um die Goethestraße dem Verfall preisgegeben zu sein. Als Schmeckies‘ Mutter Anne im Jahr 2013 im Erdgeschoss der Nr. 45 als Privatinitiative die Galerie „Goethe 45“ eröffnete, gab es reichlich Vorbehalte. „Die Nachbarn haben aber alle Skeptiker Lügen gestraft“, sagt Schmeckies heute. Anfangs kamen die Bewohner des Quartiers noch etwas zögerlich zu den Ausstellungen, inzwischen ist das Haus meist voll. Was als Zwischennutzung geplant war, ist mittlerweile eine feste Institution geworden. Und die Kinder des Viertels profitieren davon, wenn ihnen pensionierte Lehrer im Goethe-Atelier künstlerische Grundzüge vermitteln.

Stadtentwickler erkannten das Potenzial des Hauses

Die Galerie war der erste sichtbare Schritt in einem innovativen Stadtentwicklungsprojekt. Bereits 2007 hatte die STÄWOG die Hände nach dem Haus ausgestreckt. Es sollte zum Magneten für Menschen werden, die den besonderen Charme des Viertels zu schätzen wissen. Der Gedanke war nicht uneigennützig: „Den Stadtplanern und der STÄWOG war schon lange klar, dass sich die Verhältnisse in dem Viertel nur verändern lassen, wenn zusätzliche Impulse von außen hereingebracht werden“, weiß Schmeckies. Als Pilotprojekt sollte das Haus an der Goethestraße 45 neuen Nutzungsideen Raum und damit dem Viertel neue Attraktivität geben.

Komplizierte Eigentumsverhältnisse mussten geklärt werden

Die Eigentumsverhältnisse allerdings waren extrem verworren, erst 2016 konnte die STÄWOG deshalb die letzte der früheren 16 Eigentumswohnungen erwerben. Der Weg zum heutigen Kreativhaus war damit endlich frei. Für dessen Realisierung haben STÄWOG und Stadtplanungsamt Hand in Hand gearbeitet und in der kommunalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS Bremerhaven einen gewichtigen Unterstützer bekommen. „Die BIS hat die erste Etage als Gründerzentrum für die Kreativwirtschaft eingerichtet“, erläutert Schmeckies.

Pfadfinder für den Weg in die Zukunft

Start-ups anzulocken ist ein Teil der Strategie für den Wandel im Viertel. Genauso willkommen sind Menschen jeder Generation, die die Atmosphäre im Quartier in ihrer heutigen Form mögen und bereit sind, selbst Akzente zu setzen. Wenn die ersten Pfadfinder den Weg ins Viertel gefunden haben, werden ihnen viele folgen – so lautet die Maxime. Moritz Schmeckies gehört zu diesen Wegbereitern. Er ist in Bremerhaven geboren und aufgewachsen. Zum Studium zog es ihn hinaus in die Republik; nach einem ersten Anlauf im Fach Biologie studierte er Philosophie und Ethnologie, wurde Lehrer, arbeitete in Bremen und Leipzig, sammelte Lebenserfahrungen. „Ich brauche Sachen, die man neu aufbauen und entwickeln kann“, sagt er. Seine Mutter ist bekannt in der Bremerhavener Kunstszene. Als er sie bei einem Heimatbesuch zu einer Vernissage in die „Goethe 45“ begleitet, ließ sich Schmeckies begeistern. Er stieg in das Projekt ein, mietete bereits während der Umbauphase eine Wohnung über der Galerie – und blieb.

Kinder erkennen ihre neuen Chancen

Zusätzlich unterrichtet Schmeckies zehn Stunden pro Woche an einer Schule im Viertel. Das erdet ihn nicht nur, sondern bestärkt zugleich seine Überzeugung, dass das Quartier jede Chance verdient. In der Schule hat Schmeckies es mit Kindern zu tun, deren Familien oft ausschließlich von staatlichen Transferleistungen leben. „Und ausgerechnet diese Kinder, die nie persönlich erfahren haben, was es heißt, zur Arbeit zu gehen, freuen sich auf einmal auf einen Ausbildungsplatz und auf das Berufsleben“, berichtet Schmeckies: „Braucht es da noch weiterer Gründe, sich für dieses Quartier zu engagieren?“

 

Pressekontakt:

Moritz Pan Schmeckies, E-Mail: p.schmeckies@gmx.de

 

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden. Bei Fragen schreiben Sie einfach eine E-Mail an pressedienst@bremen.de

 

Hinweis zum Bilddownload in der Marginalspalte: Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Moritz Schmeckies ist Koordniator des Kreativhauses „Goethe 45“ in Bremerhaven. © WFB/Jörg Sarbach

Foto 2: 2013 begann die Geschichte von „Goethe 45“, die jetzt mit der Sanierung des ganzen Hauses und dem Einzug von Künstlern, Kunsthandwerkern, Start-ups und anderen Mietparteien um ein spannendes Kapitel ergänzt wird. © WFB/Jörg Sarbach

Foto 3: Nahezu originalgetreu renoviert: Das 1904 erbaute fünfstöckige Haus mit zehn Wohnungen „Goethe 45“. @WFB/Jörg Sarbach

Foto 4: „Goethe 45“ soll einen Impuls geben, um neues Leben und neue Menschen in das Viertel zu bringen, ohne die alten Bewohner zu vertreiben, wünscht sich Koordinator Moritz Schmeckies. ©WFB/Jörg Sarbach

 

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