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Gesichter des Klimaschutzes: Bremerhavener Stiftung bildet Klimabotschafter aus aller Welt aus

18.05.2020, Autor: Wolfgang Heumer
Die Deutsche Klimastiftung in Bremerhaven will Menschen für die Folgen der Erderwärmung sensibilisieren. Sie bildet daher Klimabotschafter aus aller Welt aus, die dem Klimawandel dank ihrer eigenen Erfahrungen ein Gesicht geben. Die Experten sollen andere dazu bringen, ihr Handeln klimafreundlicher zu gestalten

Der 31-jährige Tsiry Rakotoarisoa kennt die Folgen des Klimawandels. Immer häufiger verwüsten Stürme seine Heimat Madagaskar; ungewöhnlich heftige Regenfälle und extreme Dürreperioden führen regelmäßig zu Missernten. „In den armen Ländern wie Madagaskar sind die Folgen des Klimawandels bereits heute gravierend“, sagt der Biologe, der seit 2014 in Deutschland lebt. „Aber hier in Europa sind die Veränderungen ebenfalls da, sie werden nur noch nicht so sehr wahrgenommen.“ Er will dazu beitragen, dass sich auch hierzulande mehr Menschen des Klimawandels bewusst werden. Bei der Deutschen Klimastiftung in Bremerhaven lässt sich Rakotoarisoa deshalb derzeit mit 14 weiteren Menschen aus aller Welt zum ehrenamtlichen Klimabotschafter ausbilden.

Ohne konkrete Beispiele bleibt der Klimawandel ein kaum sichtbarer Prozess

Kilian Chaunière, der das Projekt mitkoordiniert, erklärt das Ziel so: „Die Botschafterinnen und Botschafter sollen dazu beitragen, andere durch ihr eigenes Beispiel zum Schritt vom Wissen zum Handeln zu motivieren.“ Das könne im privaten Gespräch sein, in Vereinen oder im ehrenamtlichen Engagement. Nicht zuletzt durch die „Fridays for Future“-Initiative sei das Bewusstsein für die Veränderungen des Klimas in weiten Teilen der Bevölkerung angekommen. „Aber es gibt nach wie vor einen großen Unterschied, das Problem zu erkennen und sich selbst für eine Lösung zu engagieren.“

Stiftung wurde vom Team des Klimahauses gegründet

Bereits seit zehn Jahren organisiert die Deutsche Klimastiftung mit Sitz in Bremerhaven Bildungsangebote und seit 2016 auch die Wanderausstellung „Klimaflucht“, die das Thema vor allem in Schulen trägt. Die Stiftung wurde 2009 vom Team des Klimahauses Bremerhaven gegründet. „Aus den Erfahrungen mit der Ausstellung wissen wir, wie wichtig es für den Schritt vom Bewusstsein zur Handlungsbereitschaft ist, dem Klima ein Gesicht zu geben“, erläutert Bildungsreferent Chaunière. Ohne konkrete Beispiele bliebe der Klimawandel ein kaum sichtbarer Prozess: „Wir spüren zwar neue und andere Wetterphänomene, aber das Klima ist eine statistische Größe, die sich im Alltag nur schwer greifen lässt.“

In Deutschland und Europa sind die Verhältnisse und Möglichkeiten deutlich besser

Bevor Tsiry Rakotoarisoa nach Deutschland kam, versuchte er in seiner Heimat, sein Wissen um den Klimawandel in Handlungen umzusetzen. Als Biologie-Student schloss er sich einer Initiative an, die sich in dem Inselstaat für Themen des Umwelt- und Klimaschutzes engagierte. Madagaskar ist allerdings ein armes Land. Entsprechend habe die Bevölkerung nur geringe Möglichkeiten, sich durch Verhaltensänderungen am Klimaschutz zu beteiligen. „In Deutschland und Europa sind die Verhältnisse und Möglichkeiten deutlich besser“, weiß Rakotoarisoa. Zudem sieht er in den hochentwickelten Ländern Europas und Nordamerikas eine besondere Verantwortung: „Was zu den Klimaproblemen geführt hat, ist hier entwickelt worden und wird hier viel stärker als woanders auf der Welt eingesetzt.“ Das Thema Klimagerechtigkeit macht er an einem Beispiel deutlich: „China belastet zwar in absoluten Werten das Klima viel stärker als die meisten anderen Länder. Aber schaut man auf die Werte pro Kopf der Bevölkerung, ist der Beitrag in Deutschland und Europa deutlich größer.“

Bundesumweltministerium fördert das Projekt „Klimagesichter“

Das vom Bundesumweltministerium innerhalb der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Projekt „Klimagesichter“ will vor allem in Deutschland lebende Menschen mit Migrationshintergrund als Klimabotschafter qualifizieren. Der Gedanke: „Aus ihrem persönlichen Erleben heraus können sie sehr glaubhaft die bereits spürbaren Folgen der Klimaveränderung darstellen“, erläutert Chaunière. Die Teilnehmenden kommen aus ganz Deutschland. Nach ersten Online-Treffen sollen die Workshops in Bremerhaven starten, sobald die Coronakrise es wieder ermöglicht. In fünf Blockseminaren stehen unter anderem Grundlagen des Klimawandels sowie Themen wie „Energie“ oder „Klimaschutz im Alltag“ an. Zudem sind Exkursionen ins Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut sowie ins Klimahaus geplant.

Abschlusskonferenz im November 2021 im Klimahaus

Die Deutsche Klimastiftung bietet die Seminare bisher nicht nur im Land Bremen an, sondern über zwei Projektpartner bereits in zwei weiteren Bundesländern. Im kommenden Jahr will sie ihr „Klimagesichter“-Projekt in Kooperation mit weiteren Bildungs- und Umweltorganisationen auf die ganze Bundesrepublik ausweiten, Workshops anbieten und mit der Wanderausstellung touren. Am 11. November 2021 soll es eine internationale Abschlusskonferenz im Klimahaus in Bremerhaven geben.

„Klimaschutz ist auch eine Frage der Bildung“

Neben Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund meldeten sich auch einige deutsche Teilnehmerinnen für die Qualifizierung zur Klimabotschafterin an. Zu ihnen gehört Tabea Hampel aus Hannover. Nach dem Fachabitur verbrachte sie ein freiwilliges ökologisches Jahr in Ghana. Dort begegnete sie einem schwach ausgeprägten Umweltbewusstsein. „Die Verschmutzung mit Plastikmüll ist extrem“, benennt die 20-Jährige ein Beispiel. Doch nach und nach habe sie erkannt, dass Umweltschutz nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch des Könnens sei. „Der Plastikmüll entsteht unter anderem dadurch, dass es keine Trinkwasserversorgung gibt, wie wir sie kennen.“ Statt aus der Leitung kommt sauberes Trinkwasser zumeist aus Flaschen und Kanistern. Welchen Schaden das achtlose Wegwerfen nach sich ziehe, werde im Land aber nicht vermittelt. „Klimaschutz ist auch eine Frage der Bildung“, folgert Tabea Hampel. „Ich kann als Deutsche nicht einfach nach Ghana gehen und die Menschen dort belehren. Sondern ich muss in meiner eigenen Heimat handeln.“

Künftige Klimabotschafterinnen wollen Überzeugungsarbeit leisten

Sie bewarb sich daher nach ihrer Rückkehr aus Ghana für das Projekt „Klimagesichter“. „Betroffenheit allein reicht nicht, um andere Leute zum Handeln zu bewegen; man muss selbst auch ein fundiertes Wissen haben.“ Hampel jobbt zurzeit in einer Gärtnerei, bevor sie mit dem Studium der Umwelt- und Nachhaltigkeitswirtschaft beginnt. Tsiry Rakotoarisoa arbeitet in einem Unverpackt-Laden in Hannover. Darin sieht er seinen praktischen Beitrag für den Umweltschutz. Für beide böten sich mit der Qualifizierung aber auch neue berufliche Perspektiven an, beispielsweise in der Erwachsenenbildung. „Es reicht nicht aus, eine Botschaft zu übermitteln. Wie Diplomaten müssen wir Überzeugungsarbeit leisten, damit noch viel mehr Menschen ihr Wissen zum Handeln nutzen“, ist Tabea Hampel überzeugt.
 
Pressekontakt:
Deutsche KlimaStiftung, Kilian Chaunière, Tel.: +49 471 90203087, E-Mail: chauniere@deutsche-klimastiftung.de

Bildmaterial:

Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Der 31-jährige Tsiry Rakotoarisoa qualifiziert sich zum Klimabotschafter und arbeitet in einem Unverpackt-Laden – auch das ist für ihn ein Beitrag zum Klimaschutz © WFB/Tim Chaunière

Foto 2: Die Hannoveranerin Tabea Hampel jobbt bis zum Beginn ihres Studiums in einer Gärtnerei. Bei der Deutschen Klimastiftung aus Bremerhaven lässt sie sich zudem zur ehrenamtlichen Klimabotschafterin ausbilden.  © WFB/ Tim Chaunière

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Journalistinnen und Journalisten den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen.

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