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Gerechtigkeit aus der Kaffeetasse: Bremerhavener Unternehmer ist mit einzigartigem Eine-Welt-Projekt erfolgreich

19.07.2019, Autor: Wolfgang Heumer
Deutschland ist der viertgrößte Kaffeeexporteur der Welt – obwohl die Kaffeekirschen hier gar nicht wachsen. Selbst bei fair gehandeltem Kaffee bleiben die Erzeugerländer vom lukrativen Teil des Geschäfts ausgeschlossen. Geröstete Bohnen zu importieren, hätte auch Umweltvorteile: Beim Rösten verliert Kaffee ein Viertel seines Gewichtes, der Transport wäre klimaschonender. Seitdem Felix Ahlers dies erkannte, unterstützt er eine Kooperative beim Markteintritt in Deutschland
Der Mehrwert im Kaffeegeschäft entsteht fernab der Herkunftsländer
Von Hand signierte Produkte oder Kunstwerke gelten als etwas Besonderes. Doch nicht allein das Namenskürzel des Röstmeisters auf der Rückseite des Ein-Kilo-Beutels Kaffee macht den Wert des darin verpackten Espressos aus. Dass die Arabica-Bohnen von Hand geröstet wurden, ist nicht das eigentlich Wertvolle, auch wenn Kaffeeliebhaber darin schon ein Indiz für besondere Qualität erkennen. Den „Solino-Coffee“ zeichnen vor allem ideelle Werte aus. Er etabliert sich gerade auf dem deutschen Markt – mit Hilfe des Bremerhavener Unternehmers Felix Ahlers. Als Chef des Tiefkühlkost-Herstellers Frosta hat er zwar beruflich mit Lebensmitteln zu tun, nicht aber mit Kaffee.
 
Geld verdienen vom Anbau bis zum Verkauf in Deutschland

Dass er sich privat nun auch mit Kaffee beschäftigt, hat einen Grund: Der Solino-Kaffee einer Kooperative aus Äthiopien gehört zu den ersten Produkten, für die die Menschen aus dem Ursprungsland nicht nur die Rohware liefern, sondern bei denen sie bei allen Verarbeitungsschritten von der Farm bis zum Verkauf in Deutschland verdienen. „Wir können die Menschen in den Herkunftsländern nicht dauerhaft von der eigentlichen Wertschöpfung für ihre Produkte ausschließen“, ist Felix Ahlers überzeugt, der das Solino-Projekt seit zehn Jahren begleitet. Rund 120 Arbeitsplätze sind in Äthiopien dadurch inzwischen geschaffen worden. 1.000 feste Jobs sollen es werden.
 
Mit drastischen Maßnahmen schotteten die europäischen Großröstereien ihren Markt hermetisch gegen Fertigprodukte aus den Herkunftsländern ab. „Sehr hohe Importzölle auf fertig gerösteten Kaffee führten dazu, dass nur die gering besteuerten Rohbohnen nach Deutschland importiert wurden“, erläutert Ahlers. In dieser komfortablen Schutzzone konnten die Kaffeefirmen in Ruhe den Markt unter sich aufteilen. Sie spülten das einstige Luxusgetränk zwischen den 1930er und 1960er Jahren in großen Mengen zu niedrigen Preisen in die Tassen und machten so das Brühgetränk zum Massenprodukt. Bis in die 1980er Jahre entwickelten die deutschen Konsumenten Markenbewusstsein. Seither trinken sie nicht mehr einfach Kaffee, sondern „Gala“, „Krönung“, „Feine Milde“ oder „Beste Bohne“.
 
„Marken sind nicht bereit, fertige Produkte in den Herkunftsländern zu kaufen“
Ende der 1990er Jahre entwickelte sich eine Kaffeekultur mit Filter- oder Siebträgermaschinen. Ähnlich wie beim Wein rückten besondere Geschmacksrichtungen, Bohnen, Qualitäten und Herkunftsländer in den Vordergrund. Abgesehen von Fair-Trade-Bemühungen im Kaffeehandel floss aber immer noch kein Mehrwert in die Kassen der Kaffeebauern, denn die eigentliche Wertschöpfung findet weiterhin weit entfernt von ihren Heimatländern statt. Die Zölle wurden für einige Länder vor zwölf Jahren zwar abgeschafft, doch der Kuchen rund um das Kaffeegeschäft ist längst verteilt. „Es ist keine Bereitschaft zu erkennen, dass die großen Marken jetzt fertige Produkte in den Herkunftsländern kaufen“, sagt Ahlers.
 
Neues Projekt auf langer Kaffee-Tradition aufgebaut

Kurz nachdem die Zollschranken gefallen waren, hielt sich der Bremerhavener Unternehmer privat in Ostafrika auf. Am Rande einer Wirtschaftstagung in Addis Abeba begegnete der 53-Jährige einigen äthiopischen Kaffeeröstern. Die Region gilt als Ursprung des Kaffees und hat eine lange Geschichte in der Zubereitung des Getränks. Die traditionelle Kaffeezeremonie sieht drei Tassen hintereinander vor: „Arbol“ ist die erste und stärkste, „Tona“ ist der zweite Aufguss und deshalb etwas schwächer, „Berka“ ist die dritte Tasse, die dem Gast gewissermaßen mit auf den Weg gegeben wird. Ahlers nahm zusätzlich Informationen und Meinungen über die durch Protektionismus wirtschaftlich verzerrte Kaffeewelt mit auf den Rückweg. Aus dem zufälligen Kontakt entstand ein Konzept – das Kaffee-Projekt „Solino“ war geboren.
 
Ahlers unterstützt bei der Vermarktung in Deutschland

Die Idee ist einfach und bestechend zugleich: „Die Äthiopier bauen eine eigene Kaffeeproduktion auf, die Genossenschaft reicht vom Anbau und der Ernte der Rohkirschen über die weitere Verarbeitung und Röstung bis zum Druck der Verpackung und dem Versand der Ware“, erläutert Ahlers, „So bleibt die gesamte Wertschöpfung in der Hand der Äthiopier.“ Ahlers steuerte ehrenamtlich sein Know-how bei: „Ich habe den äthiopischen Röstern zugesagt, sie bei der Vermarktung hier in Deutschland zu unterstützen.“ Gesagt und getan – seit zehn Jahren ist Solino-Coffee in Deutschland verfügbar.
 
Die ganze Wertschöpfungskette in Äthiopien verankert

Rund 100 Tonnen Röstkaffee produziert Solino mittlerweile pro Jahr. Angesichts der 1,1 Millionen Tonnen Rohkaffee, die jährlich nach Deutschland importiert werden – davon rund 300.000 Tonnen über Bremen –, ist das wenig. Für ein Land mit einer durch Hand- und Kleinröstereien geprägten Kultur ist dies aber viel. Der Weg zu dieser Menge war allerdings lang und kurvenreich. Schließlich war es das Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette in Äthiopien zu verankern. Bei von Hand oder in kleinen Mengen geröstetem Kaffee gehört es zur Natur der Sache, dass eine gleichbleibende Qualität auch über mehrere Chargen nur schwer zu gewährleisten ist. „Das war natürlich auch bei diesem Projekt eine Herausforderung“, erinnert sich Ahlers. Ähnlich verhielt es sich bei anderen wichtigen Teilbereichen wie der Produktion der Verpackung und auch der zuverlässigen Versorgung der Röstereien mit den Rohbohnen – „wir dürfen nicht vergessen, Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt, entsprechend ist der Zustand der Infrastruktur und auch der in den Unternehmen eingesetzten Maschinen und Techniken“, betont Ahlers. Doch seit der ersten Idee hat Solino sich zu einem zuverlässigen und ernstzunehmenden Geschäftspartner entwickelt.
 
Solino zuverlässiger Geschäftspartner

„Immer mehr Konsumenten wollen berechtigterweise wissen, woher die von ihnen gekauften Lebensmittel kommen und durch welche Hände sie gegangen sind“, weiß Ahlers aus seinem eigenen Unternehmen, das als Vorreiter der Transparenz gegenüber den Kunden gilt. Mit Hilfe eines Hamburger Start-ups hat auch Solino demonstriert, wie einfach das sein kann. Über einen QR-Code auf jeder Kaffeeverpackung und die Internetseite des Start-ups Ourz bekommen Kaffee-Käufer Zugang zu der grafisch aufgearbeiteten Dokumentation, wo der Kaffee gepflanzt, geerntet, geröstet, verpackt und sogar auf welchem Weg er nach Deutschland gekommen ist. Selbst den Röster, dessen Handzeichen jede einzelne Packung zu etwas Besonderem macht, lernen die Konsumenten so in Bild und Text kennen.
 
Pressekontakt: 
Dennis Roß, Solino-Coffee, Telefon +49 (0)171 685 08 31, E-Mail: d.ross@solino-coffee.com.
 
Bildmaterial: 
Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
 
Foto 1: Ehrenamtliche Hilfe: Frosta-Vorstand Felix Ahlers unterstützt Kaffeebauern und -röstern in Äthiopien mit seinem Know-how als Unternehmer. © Solino-Coffee
 
Foto 2: Sorgfältige Handarbeit: Solino-Kaffee wird in Chargen-Röstern hergestellt. Der richtige Röstgrad ist eine Frage von Sekunden, erfordert Geschick und ein gutes Auge der Röstmeister. © Solino-Coffee/Lea May
 
Foto 3 & 4: Erfolgreich etabliert: Solino Coffee gibt rund 120 Menschen in Äthiopien Arbeit und Einkommen. © Solino-Coffee/Lea May
 
Foto 5: Rund 100 Tonnen Röstkaffee werden pro Jahr von Solino-Coffee in Äthiopien nach Deutschland exportiert. Das Team der Rösterei hält die gesamte Wertschöpfungskette in seiner Hand. © Solino-Coffee
 
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Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden.
 
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