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Champion der Schwergewichte

21.11.2018, Autor: BIS Bremerhaven
ThyssenKrupp wickelt sein größtes Transportprojekt in Bremerhaven ab.
Bremerhavens Wirtschaft hat viel zu bieten, Bergbau gehört üblicherweise nicht dazu. Und doch entsteht derzeit auf der ABC-Halbinsel im Kaiserhafen eine riesige Brech- und Siebanlage für ein kanadisches Erzbergwerk. Das Mammutprojekt von ThyssenKrupp zeigt: Die Infrastrukturen, die Bremerhaven im Offshore-Bereich so stark machen, sind auch in der Schwergutlogistik ein Standortvorteil.


„Das ist schon ein außergewöhnliches Projekt für uns. Die beiden Türme sind die größten Einzeltransporte, die ThyssenKrupp bis dato durchführen wird“, sagt Andreas Wiegeler von ThyssenKrupp Industrial Solutions. Und er muss es wissen, ist er doch der Projektleiter für die Logistik dieses Mammutprojekts.


Seit Februar 2018 hat die Montage der beiden Anlagen auf der ABC-Halbinsel schon große Fortschritte gemacht. Die Brecher und Siebe sind bereits eingebaut, ebenso die containergroßen E-Häuser, die die Anlagen mit Strom versorgen. Die Endmaße der beiden Türme sind schon erkennbar: 34 Meter hoch wird das Gehäuse der Siebanlage, 33 Meter breit, 30 Meter lang. Die Brechanlage wird nur unwesentlich kleiner mit 33 Meter Höhe,
27 Metern Breite und 23,5 Metern Länge. Schwergewichte sind beide Türme – mit 1.760 beziehungsweise 1.400 Tonnen.


Normalerweise montiert ThyssenKrupp im Geschäftsbereich Industrial Solutions seine Anlagen vor Ort beim Kunden. Doch diesmal sind am Zielort die Bedingungen zu unwirtlich und viel zu kalt. „Nicht einmal im Sommer wird es dort lang genug warm für die Montage“, verrät Wiegeler. Mindestens fünf Grad Celsius brauche man aber für die Elektroinstallation, für Schweißarbeiten, für den Korrosionsschutz. Die Lösung für ThyssenKrupp: eine Montage in wärmerem Klima und das Verschiffen der kompletten Anlage.


Die Suche nach einem geeigneten Standort war die Kernaufgabe für den Cheflogistiker im Rahmen der anderthalbjährigen Vorbereitungsphase. Zum einen war die logistische Infrastruktur wichtig, denn die
Einzelteile kommen auf dem Straßen- und dem Seeweg aus aller Welt. „Die Siebe haben wir in Deutschland fertigen lassen, die Gehäuseteile der Brecher kommen aus China, die komplette Elektrik aus den USA und Kanada, die Motoren aus Taiwan, die Stahlkonstruktionen aus der Türkei, viele weitere Teile kommen aus dem europäischen Ausland“, zählt Wiegeler auf. Der wichtigste Standortfaktor war aber die Schwerlastfähigkeit.

Wiegeler verhandelte mit mehreren Häfen: „In Cuxhaven gab es zu viele behördliche Auflagen, in Brake hätten wir bei der Verladung die halbe Weser blockiert, im Neustädter Hafen in Bremen hatte BLG Cargo keine Kapazitäten mehr frei“, berichtet er. Mit dem Offshore-Terminal ABC-Halbinsel in Bremerhaven konnte die BLG aber eine Alternative anbieten, die letztlich die besten Bedingungen bot.

„Durch die Aufträge in der Windenergie sind wir sehr schwere Lasten natürlich gewöhnt“, sagt Sven Riekers, „aber mit seinen Dimensionen ist das Projekt von ThyssenKrupp schon etwas Außergewöhnliches.“ Riekers ist Geschäftsführer der BLG Cargo Logistics und verantwortet auch den Vertrieb der anderen beiden BLG-Schwerlastbereiche Windenergy Logistics und High&Heavy des Autoterminals.

Am Südende der aktuell überwiegend mit Importautos bestellten ABC-Halbinsel schuf die BLG den Platz und die logistische Infrastruktur für die Großbaustelle von ThyssenKrupp, samt Containerdorf für bis zu 100 Mitarbeiter*innen. An dieser Stelle wurde vor ein paar Jahren die Kaje verstärkt und eine enorm tragfähige Schwerlastplatte für die Großbauteile der Offshore-Windräder installiert. „Ohne den Offshore-Boom
hätten wir heute wohl nicht die Flächen für ein Schwerlastprojekt mit diesen Ausmaßen“, sagt der BLG-Cargo-Chef.

Bremerhaven möchte zukünftig noch mehr vom logistischen Projektgeschäft profitieren und denkt noch einen Schritt weiter. Auf der Luneplate stehen nicht nur Flächen für die Green Economy zur Verfügung, sondern auch der schwere Maschinen- und Anlagenbau steht im Focus der Wirtschaftsförderer. Neben dem Flächenpotential sind die Schwerlastbereiche am Labradorhafen sowie vereinfachte Genehmigungsverfahren für  Schwerlasttransporte starke Argumente für neue Ansiedlungen.

Auf die gebündelte Expertise in Bremerhaven setzt auch Andreas Wiegeler, wenn dann die Verladung und  Verschiffung der Türme ansteht. Bis zum Jahresende soll die Montage fertig sein, dann steht ein Probelauf an. Im Sommer 2019 sollen die Türme schließlich auf die Reise gehen. Dann wird die BLG mit anpacken: SPMTs, selbstfahrende Transportplattformen, werden die Schwergewichte anheben und auf ein Schwergutschiff verladen. Andreas Wiegeler ist guter Dinge: „Das wird noch mal richtig spannend. Aber die Zusammenarbeit mit der
BLG hier am Standort hat bisher immer sehr gut funktioniert.“
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