27.11.2025
Autor: ctrl./BAB Bremen
Vielfalt sichtbar machen - warum das Thema jetzt strategisch wird
Die Medienbranche arbeitet häufig agil, kreativ und projektbezogen, doch auch hier sind Themen wie Chancengerechtigkeit, Barrierefreiheit und Teilhabe längst nicht selbstverständlich. Beim Bremer Unternehmen vomhörensehen war das Bewusstsein für diese Themen früh vorhanden. Die Agentur arbeitet mit jungen Zielgruppen, entwickelt Medien- und Bildungsprojekte und hat dabei regelmäßig Berührungspunkte mit gesellschaftlicher Vielfalt. „Was bei uns schon lange vorhanden war, ist eine klare Haltung zu Diversität, aber uns fehlte die Struktur dahinter“, sagt Geschäftsführer Lars Kaempf.
Genau hier setzte die Förderung „Diversity in KMU“ der BAB an. Die Förderung eröffnete vomhörensehen die Möglichkeit, eine strategische Diversity-Arbeit aufzubauen - mit Zeit, Ressourcen und klar definierten Maßnahmen.
Das Unternehmen vomhörensehen - Kreativagentur und Bildungspartner
vomhörensehen versteht sich als hybrides Unternehmen zwischen Kreativagentur und Bildungsträger. Das Team entwickelt Workshops, Film- und Medienprojekte sowie Formate für Bildung, Kultur und soziale Teilhabe. Zielgruppen sind häufig Jugendliche und junge Erwachsene, darunter viele aus diversen Lebensrealitäten.
Diese inhaltliche Nähe zu gesellschaftlichen Themen führte intern immer wieder zu der Frage: Wie lässt sich Vielfalt auch im Unternehmen selbst verankern? Wie können Team, Recruiting und Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass sie unterschiedlichen Perspektiven gerecht werden?
Die Herausforderung: Haltung reicht nicht - Strukturen braucht es auch
Vielfalt war für das Unternehmen gelebte Praxis, aber oft unstrukturiert. „Einzelne im Team hatten sich Wissen angeeignet, aber wir hatten keinen gemeinsamen Standard und keine verbindlichen Strukturen“, sagt Kaempf. Genau das sei für nachhaltige Diversity-Arbeit entscheidend. Projektmanagerin Nina Thölke, die im Zuge der Förderung zur Diversity-Beauftragten wurde, beschreibt den Ausgangspunkt so:
„Was bei uns da war, war ein Bewusstsein, aber es fehlten die Zeit und die Kapazitäten, ein Konzept daraus zu machen.“
Die Förderung: Ein Projekt wird zum Prozess
Mit Mitteln aus dem Programm „Diversity in KMU“ der BAB – die Förderbank für Bremen und Bremerhaven, startete das Unternehmen das Projekt „Diversity 360°“. Das Projekt wird im Rahmen der Förderung umgesetzt und aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation kofinanziert. Zentrales Ziel: Diversität in allen Bereichen des Unternehmens strategisch verankern. Die Förderung finanziert dafür eine feste Rolle im Unternehmen.
Nina Thölke koordiniert den Prozess, entwickelt gemeinsam mit dem Team Maßnahmen und führt interne Workshops durch. Im Mittelpunkt steht zunächst der Aufbau eines gemeinsamen Wissensfundaments: Das gesamte Team setzt sich intensiv mit Diversity-Grundlagen, unbewussten Denkmustern (Bias), diskriminierungssensibler Sprache und Teilhabefragen auseinander. Auf dieser Basis entstand Schritt für Schritt eine unternehmensweite Diversity-Strategie, die verbindliche Standards definiert und ein gemeinsames Leitbild formuliert.
Parallel dazu wurden erste strukturelle Veränderungen angestoßen, etwa im Recruiting und in der internen Zusammenarbeit, damit Vielfalt nicht nur als Haltung, sondern auch organisatorisch verankert wird. Um den Prozess lebendig zu halten, wurde zudem ein internes Austauschformat etabliert: Der „Diversity-Dialog“ bietet Raum für Reflexion, Fragen und Praxisbeispiele aus dem Arbeitsalltag.
Begleitet wird der Prozess durch externe Wissensvermittlung, die zusätzliche Expertise einbringt und den Blick für blinde Flecken schärft. „Mit der Förderung konnten wir erstmals systematisch an Diversity arbeiten - nicht nebenbei, sondern strukturiert“, sagt Thölke.
Maßnahmen - von Recruiting bis KI-Ethik
Die Strategie bleibt nicht theoretisch. Bereits jetzt verändert sich die Praxis im Unternehmen. Erstes Kernthema ist das Neudenken des Recruitings. Stellenanzeigen werden überarbeitet, Bewerbungsgespräche strukturiert, Auswahlprozesse reflektiert. „Wir wollen bewusster rekrutieren und Barrieren abbauen, auch unbewusste“, sagt Kaempf.
Das Team arbeitet außerdem an Leitfäden für Diversity im Projektalltag. Dazu werden Guides zu Themen wie inklusive Sprache, Barrierefreiheit bei Workshops oder Multiperspektivität in Konzepten erarbeitet.
Auch der Umgang mit Technologie wird reflektiert: „Wir arbeiten täglich mit KI, aber KI ist nicht diversitätssensibel. Deswegen entwickeln wir einen Code of Conduct für fairen KI-Einsatz“, erklärt Thölke.
Wirkung im Team - vom Thema zur Haltung
Der Wandel bleibt nicht unsichtbar. „Wir spüren eine echte Begeisterung im Team“, sagt Thölke. „Diversity nimmt niemandem etwas weg! Es bringt allen etwas.“ Die gemeinsame Auseinandersetzung habe zu mehr Offenheit geführt, auch zu neuen Perspektiven auf Zusammenarbeit.
Flache Hierarchien sieht das Unternehmen als Teil seiner Diversity-Kultur. „Wertschätzung und Verantwortung gehören bei uns zusammen, egal welche Rolle jemand hat“, betont Kaempf.
Nachhaltigkeit – der Prozess endet nicht mit der Förderung
Viele Diversity-Prozesse scheitern daran, dass sie nach Projektende wieder versanden. Genau das will vomhörensehen vermeiden. „Ein zentrales Ziel ist die dauerhafte Verankerung. Die Rolle der Diversity-Beauftragten bleibt auch nach Ende der Förderung bestehen“, sagt Kaempf. Strukturelle Verankerung bedeutet hier: Diversity wird in Qualitätsstandards aufgenommen, in Onboarding, in Projektplanung und in Teamprozesse. Vielfalt wird Pflichtbestandteil des Arbeitsalltags - nicht ein zusätzliches Thema.
Verantwortung in der Branche - Vielfalt weitergeben
vomhörensehen sieht sich auch als Impulsgeber. „Wir leben in einer diversen Gesellschaft und Unternehmen tragen Verantwortung, das sichtbar zu machen“, sagt Thölke. Das Team möchte die eigenen Erfahrungen auch mit anderen Unternehmen teilen, sowohl in der Region als auch darüber hinaus.
Mit der Förderung wurde ein Transformationsprozess startklar gemacht. Doch der Weg ist bewusst langfristig angelegt. vomhörensehen will Vielfalt nicht als Projekt, sondern als Kultur etablieren.
„Wir sind noch nicht fertig, aber wir haben angefangen. Und genau darum geht es bei Veränderung“, sagt Thölke.
Mehr über vomhörensehen finden Sie hier.
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