13.11.2025
Autor: ctrl./BAB Bremen
Vielfalt als Realität und als Herausforderung
Diversity ist bei TO DO Solutions nicht Teil eines entfernten Leitbildes, sondern gelebter Alltag. Die beiden Geschäftsführerinnen Alexandra Nürnberger und Ralina Schröder leiten ein Unternehmen, das in der Industrieanlagenplanung, im Rückbau kerntechnischer Anlagen und in der Pharmaindustrie tätig ist. Die Belegschaft ist so vielfältig wie die Projekte: unterschiedliche Nationalitäten, Altersgruppen und Werdegänge, dazu überdurchschnittlich viele Frauen im typischerweise männerdominierten MINT-Bereich.
„Wir waren schon immer vielfältig aufgestellt, aber Vielfalt organisiert sich nicht von allein“, sagt Alexandra Nürnberger. „Wenn unterschiedliche Fachrollen zusammenarbeiten, muss man gute Strukturen entwickeln, damit Zusammenarbeit funktioniert.
Mit steigenden Mitarbeiterzahlen wachsen Aufgaben und Komplexität. Die verschiedenen Anforderungen der Generationen an die Flexibilität ihrer Arbeitszeiten werden deutlich. Unterschiedliche Arbeitsmodelle, von Vollzeit über Teilzeit bis Homeoffice, sind im Unternehmen längst Alltag. Doch gerade das machte Herausforderungen sichtbar: Ressourcenplanung, Wissenssicherung und Zusammenarbeit über verschiedene Orte hinweg sind nicht immer leicht effizient zu verbinden.
Das Unternehmen: Ingenieurbüro mit industriellem Schwerpunkt
TO DO Solutions plant und begleitet Projekte in industriellen Branchen mit hohen technischen Anforderungen. Das Team arbeitet unter anderem für Energieunternehmen, die ihre Anlagen dekarbonisieren wollen, sowie für die Pharma- und Biotechindustrie. Ein weiteres Standbein ist der Rückbau kerntechnischer Anlagen, ein Bereich, in dem Sicherheit und Präzision eine zentrale Rolle spielen.
„Wir sind ein transdisziplinäres Team, von Maschinenbau über Verfahrenstechnik bis Projektmanagement“, erklärt Ralina Schröder. „Diese Vielfalt ist unsere Stärke. Gleichzeitig brauchen wir gute Strukturen, wenn wir weiter wachsen wollen.“
Der Wunsch, organisatorisch nachzuziehen und die Zusammenarbeit strategisch weiterzuentwickeln, führte das Unternehmen zur Förderung „Diversity in KMU“.
Die Ausgangssituation: Gute Kultur, aber fehlende Systeme
Obwohl TO DO Solutions bereits auf eine offene Führungskultur und hohe Teamorientierung setzt, gab es interne Engpässe: Doppelarbeiten, Wissenslücken bei Vertretungen und ungleiche Arbeitsverteilung in Projekten. „Wir haben gemerkt, dass manche Kolleg:innen überlastet sind, während andere gleichzeitig Kapazitäten frei hatten“, sagt Nürnberger. „Das sind Themen, die in jedem Mitarbeitergespräch auftauchen und die man systemisch lösen muss.“
Gleichzeitig veränderte sich das Team zunehmend durch neue Lebensrealitäten: Kinderbetreuungsausfälle, Pflege von Angehörigen, längere Pendelwege, dies sind Aspekte, die in vielen Unternehmen inzwischen Alltag sind. „Flexibles Arbeiten ist heute keine Zusatzleistung mehr, es ist Voraussetzung, um Menschen langfristig zu halten“, sagt Schröder. „Aber wenn man Flexibilität ernst meint, muss man sie organisatorisch ermöglichen.“
Die Förderung „Diversity in KMU“ als Hebel
Mit Unterstützung der Förderung „Diversity in KMU“ der BAB hat TO DO Solutions drei zentrale Maßnahmen gestartet, um Vielfalt organisatorisch zu stärken. Im Mittelpunkt steht erstens der Aufbau einer strukturierten Ressourcen- und Kapazitätsplanung, die für mehr Transparenz bei Aufgaben und Zuständigkeiten sorgt. Zweitens entwickelt das Unternehmen ein systematisches Wissensmanagement, damit Erfahrung und Know-how im Team gesichert und weitergegeben werden. Drittens modernisiert TO DO Solutions ihre IT-Sicherheitsarchitektur, um ortsflexibles Arbeiten sicher zu ermöglichen und gleichzeitig den hohen Anforderungen der Industrie gerecht zu werden.
Ressourcenplanung - fair, transparent, zukunftsfähig
Das Team arbeitet parallel an bis zu zwölf Kundenprojekten. Die Auslastung war bisher nur begrenzt sichtbar. „Wir entwickeln aktuell ein Ressourcentool, das Kapazitäten sichtbar macht und Fachrollen zuordnet“, beschreibt Nürnberger. „So schaffen wir Transparenz, auch für Mitarbeitende, die Unterstützung suchen oder Verantwortung übernehmen wollen.“ Das Tool ermöglicht eine frühzeitige Planung von Aufgaben und flexible Projektteams mit einem Fokus auf Workload-Gerechtigkeit als Teil von Teamzufriedenheit. „Faire Arbeitsverteilung ist ein Diversity-Thema“, so Nürnberger. „Menschen wollen Verantwortung übernehmen, aber sie brauchen realistische Arbeitsbedingungen.“
Wissensmanagement - Wissen sichern, Vielfalt nutzen
Ein zweiter Schwerpunkt ist Wissenssicherung. Gerade in einem technischen Unternehmen ist Erfahrungswissen entscheidend, oft jedoch personengebunden. „Wir wollen Wissen nicht zufällig im Team verteilen, sondern zugänglich machen“, erklärt Schröder.
Dafür wird eine interne Wissensplattform aufgebaut. Diese beinhaltet: Lessons Learned aus Projekten, fachliche Standards, Schulungen, Best Practices und einen projektübergreifender Erfahrungsaustausch. Dabei geht es nicht darum das Wissen einfach zugänglich zu machen, sondern auch Wissen zu sichern. Gerade mit Hinblick auf den demographischen Wandel, soll das Wissen im Unternehmen verankert werden.
„Wissen ist unser Kapital und Vielfalt hilft uns dabei, bessere Lösungen zu finden“, sagt Schröder. „Aber Vielfalt funktioniert nur, wenn alle auf Informationen zugreifen können.“
IT-Sicherheit - flexible Arbeit mit hohen Standards
TO DO Solutions arbeitet für Kund:innen, die hohe Sicherheitsanforderungen stellen. Gleichzeitig wünschen sich Mitarbeitende ortsflexibles Arbeiten. Ziel des dritten Arbeitspakets war deshalb ein Sicherheitskonzept, das beides ermöglicht.
„Unsere Kund:innen müssen sicher sein, dass Daten in guten Händen sind, unabhängig vom Arbeitsort“, so Schröder. Dazu gehören: Zugriffsberechtigungen und Rollenmodelle, IT-Sicherheitsrichtlinien, regelmäßige Schulungen und natürlich eine sorgfältige Protokollierung und Dokumentation.
Förderung als Organisationstreiber
Das Programm „Diversity in KMU“ der BAB gab TO DO Solutions den finanziellen Spielraum, notwendige organisatorische Veränderungen gezielt umzusetzen. Dieses wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation der Freien Hansestadt Bremen kofinanziert. Der laufende Betrieb konnte weiterlaufen, während intern an Strukturen gearbeitet wurde.
„Die Förderung war für uns die Chance, notwendige Schritte nicht mehr aufzuschieben“, sagt Alexandra Nürnberger. „Wir sind vielfältig, aber jetzt schaffen wir die Strukturen, um das dauerhaft im Unternehmen zu verankern.“
Die finanzielle Unterstützung ermöglichte es, interne Entwicklungsprojekte zu priorisieren und Mitarbeitenden Zeit für Konzeptarbeit zu geben - etwa für Ressourcenplanung, Wissensmanagement und IT-Sicherheit. Damit wurde Diversity im Unternehmen nicht als Zusatzthema verstanden, sondern als Teil der strategischen Weiterentwicklung.
Wirkung: Mehr Klarheit, mehr Zusammenarbeit, mehr Attraktivität
Die ersten Ergebnisse der Maßnahmen sind im Unternehmen bereits spürbar. Die neue Struktur sorgt für mehr Transparenz in Projekten und verbessert die Planbarkeit im Team. Aufgaben und Verantwortlichkeiten werden klarer verteilt, wodurch Zusammenarbeit und Abstimmung effizienter werden. Gleichzeitig stärkt der Prozess die Bindung von Fachkräften, da Mitarbeitende mehr Gestaltungsspielraum und Sicherheit in ihrer Arbeitssituation erleben. Auch nach außen zeigt sich eine positive Wirkung: TO DO Solutions wird zunehmend als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen, der Vielfalt bewusst fördert und weiterentwickelt.
„Diversity ist nicht nur ein Werbewort“, sagt Ralina Schröder. „Wenn man Vielfalt ernst meint, findet man bessere Lösungen – und bleibt als Unternehmen langfristig handlungsfähig.“
Ausblick: Vielfalt als Teil der Unternehmensstrategie
TO DO Solutions will den eingeschlagenen Weg weitergehen. Als nächstes sollen die internen Tools ausgebaut und neue Mitarbeitende stärker in den Wissensaustausch eingebunden werden. Auch neue Maßnahmen sind geplant, zum Beispiel Mentoringsysteme und Kompetenzentwicklung im Team.
„Wir haben mit der Förderung einen wichtigen Schritt gemacht, aber wir sind noch nicht fertig“, sagt Nürnberger. „Diversity ist kein Projekt. Es ist eine Haltung.“
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