12.01.2026
Autor: BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven
Generationswechsel mit Perspektive
Die Segelmacherei Strelow ist seit sieben Jahrzehnten ein fester Bestandteil der maritimen Wirtschaft in Bremerhaven. 2004 übernahm André Strelow den Betrieb von seinem Vater – und führte ihn durch Zeiten, in denen Containerplanen, Wetterschutz und Spezialanfertigungen immer gefragter wurden. Heute steht das Unternehmen erneut an einem Wendepunkt. Mit Tim Strelow, dem Sohn von André Strelow, und Fridtjof Glomb rücken zwei junge Nachfolger nach, die den Betrieb Schritt für Schritt in die Zukunft führen sollen. Die beiden lernten sich vor einigen Jahren bei dem Bremerhavener Logistikdienstleister GCD Glomb kennen, arbeiteten dort gemeinsam und stellten schnell fest, dass sie dieselben Werte teilen: Freude am Handwerk, Lust auf Verantwortung und den Willen, etwas Eigenes aufzubauen.
Die Aufbruchsstimmung zeigt sich schon jetzt: In den vergangenen Monaten wurden Werkstatträume renoviert, neue Maschinen angeschafft und der Standort in der Stresemannstraße durch zusätzliche Flächen erweitert. Statt Stillstand herrscht Veränderung und das spürt man sofort. „Wir wollen den Betrieb fit für die nächsten Jahrzehnte machen – moderner, digitaler und mit Raum für Ideen“, erklärt Tim Strelow.
Mutige Pläne für die Zukunft
Auch im Bereich Digitalisierung gibt es konkrete Schritte. „Wir möchten in den kommenden Jahren digitaler werden, Prozesse modernisieren und gleichzeitig unser Handwerk nach außen tragen“, beschreibt Tim Strelow den Weg. Schon heute werden Aufträge direkt beim Kunden vermessen und kalkuliert – bislang noch per Hand. André Strelow nimmt Maß, rechnet und erstellt vor Ort das Angebot. Künftig soll dieser Prozess digital abgebildet werden. Eine neue Software soll es ermöglichen, Kundenaufträge direkt beim Termin zu erfassen, zu berechnen und zu dokumentieren. Was heute noch auf Zetteln notiert wird, soll bald über Tablets laufen, von der Vermessung bis zum fertigen Angebot. „In Zukunft wollen wir beim Kunden vor Ort mit wenigen Klicks ein Angebot erstellen können“, beschreibt Fridtjof Glomb die Vision.
Der Übergang ist bewusst als Prozess angelegt. Tim Strelow und Fridtjof Glomb begleiten André Strelow zu Kundenterminen, lernen aus seiner Erfahrung und verbinden bewährtes Handwerk mit neuen Ideen. „Entscheidend ist, dass unsere Mitarbeiter und Kunden wissen: Es geht weiter. Und zwar mit Mut und frischen Ideen“, betont André Strelow.
Nicht nur der Betrieb profitiert von dieser Aufstellung. Auch die Beschäftigten sehen durch die klare Perspektive, dass ihr Arbeitsplatz gesichert ist. Ein Risiko, wie es in vielen Handwerksbetrieben ohne Nachfolge entsteht, besteht hier nicht.
Handwerk bewahren, Ausbildung sichern
Der Segelmacher-Beruf gehört heute zu den seltensten Handwerken in Deutschland. Im Jahr 2021 schlossen nur noch 18 junge Menschen bundesweit ihre Ausbildung ab. Gerade deshalb ist es ein starkes Signal, dass Tim Strelow und Fridtjof Glomb diesen Weg gehen. Während Tim ursprünglich aus dem kaufmännischen Bereich kommt und sich das Handwerk des Segelmachers Schritt für Schritt aneignet, ist Fridtjof gelernter Segelmacher mit jahrelanger Erfahrung in seinem Beruf. Beide eint die Leidenschaft, handwerkliche Präzision mit unternehmerischem Denken zu verbinden. Genau daraus entstand die Idee, gemeinsam eine eigene Segelmacherei zu führen. Sie möchten den Beruf nicht nur erhalten, sondern auch für junge Menschen attraktiv machen. Ausbildung bleibt ein zentrales Thema, denn ohne Nachwuchs hat ein Handwerk keine Zukunft.
Gleichzeitig soll das Portfolio erweitert und stärker nach außen sichtbar gemacht werden. Viele Kunden wissen gar nicht, wie vielseitig die Arbeit eines Segelmachers heute ist. Von Abdeckplanen für Container über Markisen bis hin zu individuellen Sonderlösungen für gewerbliche, industrielle und private Kund:innen, sogar Spezialanfertigungen wie für das Alfred-Wegener-Institut gehören zum Portfolio. Auch hier wollen die beiden Nachfolger ansetzen und das Unternehmen sichtbarer machen und neue Kundengruppen erschließen.
Bremerhaven als Standort mit Zukunft
Dass dieser Weg gerade in Bremerhaven beschritten wird, ist kein Zufall. Der Hafen, die Nähe zur maritimen Industrie und die spezifische Nachfrage nach individuellen Lösungen bieten ideale Bedingungen. „Ohne Wasser, ohne Hafen, kein Segelmacherhandwerk. Hier haben wir die richtige Basis, um uns weiterzuentwickeln“, erklärt Fridtjof Glomb.
Wie vielseitig die Segelmacherei arbeitet, zeigte sich zuletzt bei der SAiL Bremerhaven. Pünktlich zum Großereignis sollten mehrere Haltestellen mit Sonnensegeln ausgestattet werden – ein Projekt, das viele zunächst für kaum machbar hielten. Doch mit Kreativität, Mut zum Ausprobieren und der Bereitschaft, „um die Ecke zu denken“, gelang die Umsetzung. „Wir haben einfach gemacht, statt lange zu diskutieren. Am Ende hat es funktioniert und das macht uns besonders stolz“, erzählt Tim Strelow. Das Projekt steht beispielhaft dafür, wie sich traditionelles Handwerk mit neuen Ideen verbinden lässt. Es beweist, dass die Segelmacherei nicht nur in der Industrie, sondern auch im öffentlichen Raum sichtbare Akzente setzen kann.
Damit wird deutlich: Hier entsteht mehr als eine Nachfolgeregelung. Es ist ein Bekenntnis zu Bremerhaven, zu einem traditionellen Handwerk – und zu einer Zukunft, die nur mit Mut zur Veränderung möglich ist.
Erfahren Sie hier mit über die Segelmacherei Strelow!