04.02.2026
Autor: BIS Wirtschaftsförderung
Vom Crowdfunding zum Begegnungsort
Das findus hat in der Seestadt bereits viele Fans. 2016 gründeten Fiona und Christian Brinker das Café – mit gerade einmal 6.000 Euro Startkapital, die sie über Startnext (Crowdfunding-Plattform für kreative und nachhaltige Projekte) sammelten. Ein Bankkredit kam für Fiona mit ihren damals 17 Jahren nicht infrage, also setzten sie auf die Unterstützung der Community. Tatsächlich war das findus eines der ersten erfolgreichen Crowdfunding-Projekte in Bremerhaven – und Referenzmodell für die Bremer Aufbau-Bank und das Starthaus, die damit neue Finanzierungswege für kreative Gründungen erprobten.
„Wenn ich heute daran denke, frage ich mich, wie das überhaupt möglich war“, lacht Fiona. Damals begannen sie klein: ein paar Stühle, eine Handvoll Speisen, wenig Platz aber eine große Vision. Sie wollten nicht nur ein Café betreiben, sondern einen Raum schaffen, der Bremerhaven bereichert. Mit den Jahren stieß das findus an seine Grenzen. „An Sonntagen waren alle Stühle belegt, wir hatten keinen Platz mehr für größere Veranstaltungen und selbst die Backstube war zu klein, um das Konzept weiterzuentwickeln“, erzählt Christian.
Auf der Suche nach einem neuen „Wohnzimmer“
2021 stießen Fiona und Christian auf das WERK., ein Gebäude mit Geschichte. Elf Jahre lang stand es leer, bis der kreative aufbruch bremerhaven (kab.) 2019 gemeinsam mit der Städtischen Wohnungsgesellschaft (STÄWOG) Bürger:innen einlud, Ideen für eine neue Nutzung zu sammeln. In bunten Farben schrieben sie ihre Visionen direkt auf die Wände des Gründerzeitbaus. Heute verschwinden die Worte langsam hinter nachhaltigem Lehmputz und frischer Farbe – doch als Fundament des Projekts bleiben sie erhalten. Mitinitiator des WERK.-Hauses Jonas Hummel erkannte die Chance, das Gebäude in einen offenen Ort für kreative und nachhaltige Projekte zu verwandeln und freut sich über die Teilhabe in der Stadt. „Der Wendepunkt kam mit dem Kauf durch die Objekt 218 GmbH und die ersten Nutzungen durch den Hausverein WERK., der von sieben engagierten Bremerhavenern gegründet wurde – darunter auch Fiona und Christian. Mit Unterstützung der STÄWOG und anderer Geldgeber konnten wir das Haus in der Bürgermeister-Smidt- Straße 218 zwischennutzen und 2022 mit dem Ankauf beginnen. Mit einem Kredit der Weser-Elbe Sparkasse, verbürgt durch die Bremer Aufbau-Bank, wurde der Kauf und auch die Sanierung der Caféräume schließlich möglich. Nach zwölf Monaten ist dieser erste Bauabschnitt nun abgeschlossen und das Haus hat nach über zehn Jahren wieder Strom, Wasser und Gas.“, erzählt er.
Von Anfang an stand beim WERK. nicht die Vermietung einzelner Räume im Fokus, sondern die gemeinsame Entwicklung des Ortes. Statt einem starren Plan folgt der Umbau einem offenen Prozess, bei dem Stadtgestaltung kollektiv gedacht wird – mit Räumen für Austausch, Kultur und nachhaltige Konzepte. Für Fiona und Christian bedeutet das nicht nur mehr Platz für ihr Café und die Backstube, sondern auch die Möglichkeit, aktiv an einer neuen Form der Stadtentwicklung mitzuwirken.
Offene Türen seit März 2025
Mit dem Umzug ins WERK. konnte das findus wachsen und sich weiterentwickeln. Seit der Eröffnung im März 2025 bietet das Café nun mehr Raum für Gäste, Kulturveranstaltungen und handwerklich hergestellte Lebensmittel. Bio-zertifiziert und vegetarisch war das findus schon immer, nicht als Marketingstrategie, sondern weil es den Werten der Gründer:innen entspricht. Doch ihr Verständnis von Nachhaltigkeit geht weit über die Küche hinaus. Es zeigt sich in jedem Detail des Cafés: Einige Möbel stammen aus der Auflösung des ehemaligen Karstadt-Kaufhauses, aus alten Beständen des Finanzamts oder privaten Spenden. Statt auf Neues zu setzen, geben Fiona und Christian bestehenden Dingen eine zweite Chance – ein bewusster Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft. Doch das findus ist auch ein sozialer Treffpunkt, an dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden – von Tauschabenden, über Musikevents bis hin zu Backworkshops. „Wir wollen nicht nur Essen servieren, sondern ein Lebensgefühl vermitteln“, sagt Fiona. „Ein Wohnzimmer, in dem man sich wohlfühlt, Neues entdecken kann und in Kontakt mit anderen Menschen kommt.“
Das WERK.: Ein Haus im Wandel
Während das findus längst ein lebendiger Begegnungsort ist, wächst das WERK. als kreativer Ort weiter. Seit 2022 hat sich viel verändert – konzeptionell und baulich. Immer mehr Räume sind nutzbar und füllen das Haus nach und nach mit Leben. Einige werden bereits aktiv genutzt: Der Zircula Verein beschäftigt sich mit Kreislaufwirtschaft und nachhaltigem Design, Precious Plastic Bremen betreibt eine Werkstatt für Plastikrecycling. Andere Hausbereiche befinden sich noch im Rohbau – sie werden nach und nach renoviert, sobald neue Fördermittel und Finanzmittel dies ermöglichen. „Wir sind ein Projekt im Werden, es gibt keinen abschließenden Masterplan“, erklärt Jonas. Das bedeutet auch eine große Aufgeschlossenheit für weitere Interessierte an der Gestaltung und Nutzung der Räume. Die offenen Türen des findus helfen dabei: Wer ins Café kommt, kann nebenbei entdecken, was sonst noch im Haus passiert und sich vor Ort aktiv mit einer Idee melden, um mitzumachen.
Brückenbauerin für das Projekt
Dass das WERK. und das findus so weit gekommen sind, liegt auch an der Unterstützung von Dr. Barbara Schieferstein von der BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven. Sie half von Anfang an bei Finanzierungsfragen, vermittelte zwischen Institutionen und den Gründer:innen – und machte die Relevanz des Hausprojekts für die Stadt Bremerhaven sichtbar. Als Türöffnerin baute sie Brücken zur Stadt, zum Bund und zu möglichen Finanzierungspartnern.
„Solche Projekte können dafür werben, dass gemeinwohl- und sozialunternehmerische Ansätze nachhaltig tragfähig sind. Denn kreative Konzepte wie dieses konnten bislang in der Stadtentwicklung nicht umgesetzt werden.“, sagt Dr. Schieferstein. Das WERK. zeigt, dass sich Kultur, Unternehmertum, Kreativwirtschaft und Stadtentwicklung nicht ausschließen, sondern gegenseitig stärken können. Das WERK.- Haus zieht junge Unternehmer:innen und Kreativschaffende an, bringt urbanes Flair in die Stadt und reiht sich im Stadtteil in Vorzeigeprojekte wie das beet oder das Café Lieblingsplatz ein.
Dass die BIS an das Potenzial des Projekts glaubt, zeigt sich nicht nur in ihrer Unterstützung, sondern auch in ihrem Entschluss, das WERK. selbst aktiv zu nutzen. Geplant ist die Anmietung flexibler Büroarbeitsplätze, um Austausch zu fördern und die Vernetzung mit den Akteur:innen vor Ort zu stärken. Die genaue Nutzung wird noch entwickelt, doch die Richtung ist klar: Hier entsteht Raum für Kreativität
und Ideen. Wie wichtig diese Unterstützung war, macht Fiona deutlich: „Die BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven und vor allem Barbara hat uns nicht nur beraten, sie hat an uns geglaubt. Ohne ihre Vermittlung in unterschiedliche Richtungen und ihr Gespür für das Potenzial dieses Ortes wären wir nicht hier.“