16.01.2026
Autor: ctrl./BAB Bremen
Vielfalt leben heißt Strukturen schaffen
Wie sieht Inklusion aus, wenn sie nicht nur Beratungsinhalt, sondern gelebter Teil der Unternehmenskultur ist? Inklu-Solutions aus Bremen arbeitet bundesweit mit Unternehmen an Diversity-Konzepten, sensibilisiert für Barrieren im Arbeitsalltag und begleitet Organisationen auf dem Weg zu inklusiveren Prozessen. Inklusion bedeutet für das Team: Alle Menschen sollen gleichberechtigt arbeiten können, unabhängig von individuellen Voraussetzungen oder Barrieren, für viele Menschen mit Behinderung noch lange kein Alltag. Dieser Ansatz prägt sowohl die Beratung von Kund:innen als auch das Selbstverständnis im Unternehmen. Doch irgendwann stellte sich die Frage: Reicht es, andere zu beraten oder muss Inklusion auch intern konsequent umgesetzt werden?
„Wir machen viel Inklusion im Außen, aber haben lange nicht auf uns selbst geschaut“, sagt Michael Wieland von Inklu-Solutions. „Die Förderung hat uns eine gute Gelegenheit gegeben, das systematisch zu tun.“ Denn das Unternehmen entschied sich bewusst, nicht nur über Vielfalt zu sprechen, sondern sie intern zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Ein Team, das Vielfalt selbstverständlich lebt
Bei Inklu-Solutions ist Inklusion nicht nur ein Thema, sie ist Realität. Mehr als die Hälfte des Teams lebt mit einer Schwerbehinderung. „Wir haben eine Nicht-Behindertenquote von 45 Prozent“, erklärt Wieland. „Das heißt: Die Mehrheit bei uns ist schwerbehindert und für uns ist das etwas ganz Alltägliches.“
Zum Team gehören neben Mitarbeitenden auch zahlreiche Mentor:innen, die anderen Unternehmen als Role Models Einblicke in inklusives Arbeiten geben. Diese persönliche Erfahrung fließt in die Beratung ein. „Wir sehen jeden Menschen als Individuum. Behinderung ist nicht gleich Behinderung, jede Person bringt andere Stärken und Bedürfnisse mit“, sagt Wieland.
Die zentrale Frage: Wie inklusiv sind wir selbst?
Mit dem geförderten Projekt „Vielfalt als Erfolgsfaktor“ trat Inklu-Solutions eine interne Analyse an. Im Zentrum stand eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie steht es um Barrierefreiheit, Prozesse, Arbeitsstrukturen und Unternehmenskultur im eigenen Haus?
Das Ergebnis war aufschlussreich. „Wir haben sehr schnell erkannt, dass wir gar nicht so inklusiv sind, wie wir es gerne wären“, sagt Wieland rückblickend. „Wir beraten andere Unternehmen zu Inklusion und mussten feststellen, dass wir selbst noch einige Schritte vor uns haben.“
Förderung als Strukturhilfe: „Diversity in KMU"
Die Unterstützung durch die Förderung „Diversity in KMU“ der BAB – die Förderbank für Bremen und Bremerhaven, gab dem Vorhaben den notwendigen Rahmen. Das Programm hilft kleinen und mittleren Unternehmen in Bremen und Bremerhaven, Vielfalt systematisch im Unternehmen zu verankern - von Strategieentwicklung bis Maßnahmenplanung. Es wird kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation.
Für Inklu-Solutions war genau dieser strukturierte Ansatz entscheidend: „Die Förderung hat uns den Raum gegeben, wirklich konsequent hinzuschauen. Ohne sie hätten uns im Alltag oft die Zeit oder Ressourcen gefehlt“, so Wieland.
Der InkluScore: Ein Werkzeug für messbare Inklusion
Ein Kernbaustein des Projekts ist der selbst entwickelte InkluScore - ein internes Bewertungssystem, das den Status von Inklusion messbar macht. „Der InkluScore zeigt uns sehr genau, wo wir stehen“, erklärt Wieland. „Er hilft uns zu erkennen, wo wir gut sind und wo wir Entwicklungsbedarf haben.“
Der Score betrachtet verschiedene Dimensionen:
• Barrierefreiheit (physisch und digital)
• Unternehmenskultur
• Personalprozesse
• Führung und Verantwortung
• Strukturelle Verankerung von Diversity
„Das Projekt hat uns die Möglichkeit gegeben, dieses Instrument zu entwickeln und erstmals bei uns selbst anzuwenden“, sagt Wieland. „Damit haben wir jetzt eine klare Grundlage für unsere nächsten Schritte.“
Erste Ergebnisse im Unternehmen sichtbar
Seit Projektstart hat Inklu-Solutions bereits konkrete Veränderungen umgesetzt: Neben einer detaillierten Statusanalyse der internen Inklusionspraxis, ist auch eine neue barrierearme Website in Arbeit. Zusätzlich wurde das Thema Inklusion auf Geschäftsführungsebene strategisch verankert, dazu wurden Mitarbeitende aktiv in die interne Weiterentwicklung einbezogen. Durch die gewonnenen Informationen der Statusanalyse, sind auch bereits eigene Investitionen getätigt worden, so wurden erste Barrieren im Büro, durch den Einbau einer Rampe, abgebaut.
„Wir gehen jetzt viel bewusster mit kleinen Dingen um, die im Alltag einen großen Unterschied machen“, sagt Wieland. „Ob Rampen, Website oder Arbeitsorganisation, jede Maßnahme macht uns als Unternehmen inklusiver.“
Nächster Schritt: Inklusion in Prozesse integrieren
Aktuell beginnt die nächste Projektphase. „Wir bringen die Ergebnisse aus dem InkluScore in die strategische Entscheidungsebene“, erklärt Wieland. „Jetzt geht es darum, welche Maßnahmen wir priorisieren.“
Ein Beispiel: Dienstreisen. Auf den ersten Blick ein Nebenthema, doch beim genauerem Hinsehen sehr relevant. „Wenn Mitarbeitende im Rollstuhl sind, müssen Hotels und Anreise barrierefrei sein. Das war bei uns bisher nicht immer gewährleistet“, so Wieland. „Das ändern wir jetzt.“
Warum Inklusion für Unternehmen unverzichtbar ist
Für Wieland steht fest: Inklusion ist kein Sozialthema, sondern ein Wirtschaftsthema. „Inklusion betrifft jedes Unternehmen, ob es will oder nicht“, betont er. „Ungefähr sechs Prozent der Mitarbeitenden erwerben ihre Schwerbehinderung während ihres Arbeitslebens, durch Unfall oder Krankheit. Das wird oft vergessen.“
Inklusive Strukturen helfen, Mitarbeitende langfristig zu halten und Know-how im Unternehmen zu sichern. „Inklusion ist eine Frage der Zukunftsfähigkeit“, sagt Wieland. „Es geht nicht darum, besondere Menschen einzustellen, sondern darum, gute Mitarbeitende nicht zu verlieren.“
Fazit: Vielfalt ist ein Prozess, keine Zertifizierung
Was nimmt Inklu-Solutions aus der Förderphase mit? Ein klares Verständnis davon, dass Inklusion keine einmalige Maßnahme ist, sondern ein fortlaufender Entwicklungsprozess. „Wir sind auf dem Weg, aber wir sind noch nicht am Ziel“, sagt Wieland. „Das Wichtigste ist, anzufangen.“
Und was rät er anderen Unternehmen? „Vielfalt entsteht nicht von selbst. Man muss Strukturen dafür schaffen.“ Die Förderung „Diversity in KMU“ sei dafür ein guter Einstieg: „Es bietet einen Rahmen, in dem man die Themen ehrlich und professionell angehen kann.“
Mehr über Inklu-Solutions finden Sie hier.
Haben Sie Interesse an einer Förderung von Vielfältigkeit in Ihrem Unternehmen?
Dann melden Sie sich für die Förderung Diversity in KMU