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First Bremerhaven: Das Sprungbrett in die Lebensmittel­industrie

Mit dem Food Land Bremen entstand Ende 2024 eine zentrale Plattform für Innovationen in der Lebensmittelwirtschaft. Während in Bremen der Food Hub als kreativer Entwicklungsraum dient, übernimmt das First, betrieben vom ttz Bremerhaven, die entscheidende Rolle in der Produktion und Skalierung. Hier haben Start-ups und Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte unter industriellen Bedingungen zu testen und weiterzuentwickeln – mit wissenschaftlicher Begleitung und Zugang zu einem starken Industrienetzwerk.

27.04.2026
AutorIn: BIS WIrtschaftsförderung Bremerhaven

Von der Idee zur Umsetzung

Die Idee eines Food Hubs in Bremerhaven war schon länger im Gespräch, ebenso wie die geplante Vergrößerung der Hanse Kitchen in Bremen. Am Ende passte beides perfekt zusammen: Statt zwei separate Projekte zu verfolgen, wurde das Konzept weitergedacht – und das First Bremerhaven ins Leben gerufen. Das Innovationszentrum schafft nun die Brücke zwischen kreativer Produktentwicklung und industrieller Herstellung.

Wer ein Lebensmittelprodukt erfolgreich am Markt etablieren will, muss es in größeren Mengen produzieren können. Doch was in kleiner Manufaktur gelingt, stößt in der industriellen Fertigung oft auf Herausforderungen. Genau hier setzt das First Bremerhaven an. Junge Unternehmen können bis zu zwölf Monate lang unter realen Produktionsbedingungen testen, ob ihr Verfahren auch in größerem Maßstab wirtschaftlich tragfähig ist. Neben der technischen Ausstattung profitieren sie von der wissenschaftlichen Begleitung durch das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz), das mit seiner Expertise hilft, Rezepturen zu optimieren und Produktionsprozesse anzupassen. Die wissenschaftliche Begleitung spielt eine zentrale Rolle. Das ttz Bremerhaven ist eine unabhängige Forschungs- und Entwicklungseinrichtung mit langjähriger Erfahrung in der Lebensmitteltechnologie. Die Expert:innen des ttz unterstützen Unternehmen in allen Phasen der Produktentwicklung – von der ersten Laborprobe bis zur großtechnischen Umsetzung. Dazu gehören Prozessoptimierungen, Lebensmittelanalysen, Haltbarkeitstests und mikrobiologische Untersuchungen, aber auch Verpackungsentwicklung und Nachhaltigkeitsstrategien.

Flexibilität in der Produktion

„Viele Start-ups haben großartige Ideen, wissen aber nicht, ob sie sich wirtschaftlich skalieren lassen“, sagt Jörg Rugen, Kaufmännischer Leiter für Lebensmitteltechnologie am ttz Bremerhaven. „Hier können sie das testen, ohne sofort in teure Produktionsanlagen investieren zu müssen. Wir sind der Door Opener in die Industrie.“ Benjamin Küther, Marketingleitung des ttz und First, ergänzt: „Oft zeigt sich erst in der Praxis, ob eine Rezeptur für größere Produktionsmengen geeignet ist oder Anpassungen nötig sind.“
Die Ausstattung im First Bremerhaven ist auf industrielle Produktion ausgelegt. Neben Fermentationsanlagen für Kombucha und Cold Brew stehen unter anderem Hydrogrind-Technologien für Hummus und pflanzenbasierte Aufstriche sowie UHT-Anlagen zur Haltbarmachung von Milch und Säften zur Verfügung. Doch auch individuelle Produktionsverfahren können erprobt werden. Dank des breiten Netzwerks des ttz ist es möglich, maßgeschneiderte Maschinenlösungen zu organisieren und spezifische Produktionsanforderungen zu erfüllen. 

Frühstückskekse im Praxistest

Dass das Angebot des First funktioniert, zeigt sich bereits an den ersten Projekten, die vor Ort umgesetzt werden. Jovana Komlenic, Berna Gayret und Saskia Trompell testen hier mit Unterstützung von Hauke Krause, Technikumleiter des First Bremerhaven, die industrielle Umsetzung ihres Frühstückskekses Opoke. Die drei Studentinnen aus dem Studiengang Lebensmitteltechnologie haben mit ihrer Rezeptur bereits zwei Preise gewonnen. Über die ehemalige Hanse Kitchen kam das Team in Kontakt mit dem First. Ob sie nach dem Abschluss ein eigenes Start-up gründen, steht noch nicht fest. Bevor diese Entscheidung fällt, geht es darum, herauszufinden, ob sich ihr Produkt auch in größerem Maßstab stabil und wirtschaftlich produzieren lässt.
Ihr Keks besteht aus Haferflocken und Okara, einem nährstoffreichen Nebenprodukt der Sojadrinkproduktion, das in der asiatischen Küche als Fleischalternative oder fermentierte Zutat verwendet wird. Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel oder Geschmacksverstärker kommen bei Opoke nicht in die Tüte – genau das macht die Produktion anspruchsvoll. Vor allem die Konsistenz muss auch bei größeren Mengen stabil bleiben, ein zentraler Punkt, der aktuell getestet wird.

Wissenschaft als Standortfaktor

Das Projekt zeigt nicht nur, wie Start-ups von der Infrastruktur profitieren, sondern auch, wie eng das First mit der Ausbildung des Branchennachwuchses verknüpft ist. Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis soll weiter gestärkt werden. „Unser Ziel ist es, die Studierenden frühzeitig an Bremerhaven zu binden und für die Stadt zu begeistern“, erklärt Benjamin Küther. „Wir wollen beispielsweise erreichen, dass Kurse des Studiengangs Lebensmitteltechnologie direkt hier im First stattfinden, damit die Studierenden nicht nur die Theorie lernen, sondern sofort in der Praxis arbeiten können.“

Ausbau zum führenden Innovationsstandort

Die Zukunft von First Bremerhaven ist bereits geplant: Bis 2028 soll eine größere Produktionshalle entstehen, um noch mehr Start-ups und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen in marktreife Produkte zu überführen. „Unsere Vision ist ein Innovationscampus für die Lebensmittelproduktion, der Start-ups und etablierte Unternehmen gleichermaßen unterstützt“, sagt Markus von Bargen, Technischer Leiter des ttz Bremerhaven. „Wir wollen über reine Produktionsräume hinausdenken und Orte schaffen, an denen neue Produkte direkt mit Konsumentinnen und Konsumenten getestet werden können – sei es durch integrierte Workspaces, offene Testküchen oder Gastronomiekonzepte, die neue Food-Trends in Echtzeit erlebbar machen.“

Schon jetzt gibt es internationale Nachfrage. Firmen aus der Schweiz, den Niederlanden und Israel interessieren sich für die Möglichkeiten, die Bremerhaven mit First bietet. Unternehmen, die sich für eine Nutzung von First Bremerhaven interessieren, können sich direkt an das ttz Bremerhaven wenden. Ansprechpartner und weitere Informationen sind unter www.ttz-bremerhaven.de zu finden.

 

Bildmaterial

  1. First_Markus-von-Bargen_Hauke-Krause_Joerg-Rugen_Benjamin-Kuether.png
    Dateigröße: 12,1 MB
  2. First_Jovana Komlenic.png
    Dateigröße: 7,0 MB
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