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Eismacher und Unternehmer aus Leidenschaf

Ahsem weiß schon in sehr frühen Jahren, was er später beruflich machen will. Alles was mit italienischem „handgemachten“ Eis zu tun hat, ist seine Leidenschaft. „Gelata , we love it“ ist in der Familie Shukri nicht nur eine dahingesagte Floskel – der Jungunternehmer und Student Ahsem hat die Begeisterung für die Herstellung und den Verkauf von Speiseeis von seinem Vater Fikri, ein gelernter „Eismacher“, quasi in die Wiege gelegt bekommen. In kurzer Zeit wurde der Stammsitz am Fischbahnhof zum beliebten Treffpunkt für Stammkunden, mit seiner gerade eröffneten Außenstelle am Neuen Hafen ist die Gelateria auf Wachstumskurs.

20.04.2026
AutorIn: Hans Jörg Werth

Begeisterungswille, Zielstrebigkeit und auch ein persönlicher Schicksalsschlag spielen im Leben des 22-jährigen Existenzgründers Ahsem Shukri eine Rolle. Wo andere noch zur Schule gehen, ist er bereits als Geschäftsführer des Eiscafés Amalfi eine feste Größe in der Bremerhavener Gastro- und Einzelhandelsszene. Nach Abschluss des Abiturs verfolgt Skukri mit Tatkraft seine Ziele – und die sind weiterhin ehrgeizig und ambitioniert.

Die Geheimnisse des Eismachens kannte er schon früh dank seines Vaters Fikri, ein gelernter Eismacher mit viel Berufserfahrung. Er sei groß geworden mit Eis und Verkauf, erzählt Shukri Junior. Seit seinem erfolgreich absolvierten Abitur vor rund drei Jahren bildet er mit seinem Vater und den mittlerweile neun Voll- und Teilzeitbeschäftigten sowie Minijobbern ein unschlagbares Team im Fischereihafen. Mit dem Eiscafé Amalfi in bester Adresse Am Schaufenster 6 habe er sich einen Traum erfüllt und die „Liebe zum handgemachten Eis zum Beruf gemacht“, strahlt Ahsem.

An der Kasse des Fischbahnhofs holte sich der junge Mann damals die Kontaktdaten des Vermieters, der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft FBG. Die Gespräche verliefen gut, im Sommer 2023 war Eröffnung. In das leerstehende Gebäude zog wieder Leben ein, seitdem ist Ahsem Shukri Herr über 40 Tische im Außen- und Innenbereich mit zusammen rund 130 Plätzen. Stammgäste wie ein Ehepaar aus Delmenhorst, die regelmäßig mit dem Camper anreisen, sind von der Qualität bei Amalfi immer wieder angetan. „Unser Eis wird mit minus 17 bis minus 19 Grad hergestellt, nicht wie bei Industrieeis mit minus 24 Grad, daher sind wir einfach cremiger“, erklärt Ahsem Shukri einen Teil der Herstellung. Nicht nur 16 verschiedene Sorten inklusive dem Herzstück der Eistheke „Amalfi Zitronenkuchen“ kommen auf den Tisch, auch süße Snacks wie Crépes, Waffeln & Co. gehören zum ständig ergänzten Speiseangebot bei Amalfi. Der Firmenname stehe für Sommer, Sonne, Ferien im Süden Italiens, so die Shukris.

Er sei angekommen, auch wenn der Alltag immer wieder Überraschungen bereithält und er an manchen Tagen –zum Beispiel bei Veranstaltungen am Fischbahnhof – bis zu 15 Stunden und mehr auf den Beinen sei. „Was gibt es Schöneres, wenn die Kunden mit einem Lachen im Gesicht unser Eiscafé besuchen, wir sind der ‚Gute-Laune-Laden‘, der den Gästen eine Auszeit aus dem Alltag schafft“, schmunzelt Shukri.

Einfach ist und war der Weg bislang für Ahsem Shukri aber keineswegs. Der frühe Tod seiner Mutter hat die Familie mit Vater Nikri und dem 12-jährigen Bruder zusammengeschweißt. Mit der Idee etwas Eigenes aufzubauen, habe er sich ablenken können. „Ich habe den Verlust weggearbeitet und den Fokus intensiv auf die Zukunft gerichtet“, erzählt der junge Mann.

Aktuell studiert Ahsem neben der Arbeit bereits im 5. Semester Betriebswirtschaftslehre an der Bremerhavener Hochschule. Seine Bachelorarbeit wolle er über ein gastro-ökonomisches Thema schreiben; eine Energieleistung, denn das Geschäft läuft ja weiter. Möglich sei das nur mit Vater Fikri, der ihm den Rücken freihalte, legt Ahsem den Arm auf die Schulter seines Vaters. Auch dadurch finde er noch Zeit bspw. für Messebesuche, um sich über neue Entwicklungen in der Speiseeisbranche zu informieren.

Ahsem: „Wir betreiben Arbeitsteilung, den bürokratischen Teil der Arbeit mit viel Zettelkram & Co. verschiebe ich gerne nach 20 Uhr.“ Über Mitarbeiterplanung, Rohstoffeinkauf, Preiskalkulation informiert sich Ahsem in Büchern und bei Freunden. Und: Wenn er in anderen Städten sei, setze er sich dort gezielt in die Eiscafés um zu testen, was dort so angesagt sei.

Das Gute sei aber generell, so Ahsem Shukri mit einem zwinkernden Auge, dass er einen Großteil seiner Aufgaben nicht als Arbeit, sondern als Freude empfinde. Das i-Tüpfelchen bzw. die Belohnung sei im Eisgeschäft doch sowieso, in strahlende (Kinder)-Augen zu schauen.

Ahsem Shukri ist einerseits spontaner Bauchmensch, andererseits bereits sehr reflektiert, was er unternehmerisch aus- und aufbauen will, und wovon er lieber die Finger lässt. Dass Amalfi mit seiner besonderen Speiseeis-Rezeptur mal in den Havenwelten eine zweite Geschäftsstelle haben würde, sei so bis vor kurzem kaum denkbar gewesen, so Shukri. Zufälle, eine schicksalhafte Begegnung und ein waches Auge verhalfen Ahsem zu seinem zweiten geschäftlichen Standbein, der „Eis to go“-Variante von Amalfi direkt in der City.

„Schuld war auch die BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven“, lacht Ahsem, und nennt Dorit Wichmann, selbst ein bekennender Fan von Amalfi Eis, die ihn mit Rat und Tat toll unterstützt habe. Die BIS Wirtschaftsförderung ist Vermieterin des kleinen Ladens in der H.-H.-Meier Straße wo zuvor ein Weinkontor ansässig war.

Durch den Bremerhavener Wirtschaftsdialog der BIS Wirtschaftsförderung im Fischbahnhof konnte Ahsem Shukri neue Kontakte knüpfen und durch die Impulse auf neue Ideen kommen. Der Wirtschaftsdialog fördert den Austausch und das Netzwerk von Bremerhavener Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräften und hiesigen Akteuren zusammenzubringen. Im letzten Jahr war der Existenzgründer Partner des Wirtschaftsdialoges und ist nach eigenen Worten dankbar für etliche Tipps und die guten Gespräche seitens der Wirtschaftsförderer. Auch die Umnutzungsgenehmigung von Einzelhandel zu Gastro habe er mit BIS-Unterstützung gemeistert.

Sein neues Geschäft im Herzen Bremerhavens, zwischen Klimahaus und Kaiserhafen sei in mehrfacher Weise besonders. Der selbsternannte Bremerhaven-Fan schwärmt von dem maritimen Flair in einzigartiger Kulisse der Havenwelten.

Bei der Inneneinrichtung im neuen Shop am Neuen Hafen habe ein gelernter Schiffstechniker aus der Familie geholfen, so Skukri. Pünktlich vor dem Start der Sail Bremerhaven 2025 im August kann es nun aber richtig losgehen mit dem „handgemachten“ Eis im Herzen Bremerhavens. „Das Lager ist gut gefüllt, die Mitarbeiter*innen waren schon zuvor in Urlaub“, ist Ahsem Shukri gut vorbereitet.

Eine wohl in Norddeutschland beinahe einzigartige Geschäftsidee will Ahsem Shukri zum Ende aber noch präsentieren: Gerade im Sommer sind Eiscafés voll, daher müssen die süß-cremigen Leckereien in Rekordzeit angerichtet und serviert werden. Als Hilfe wurde bei Amalfi für den Verkauf am Schaufenster Fischereihafen daher vor wenigen Wochen „Bella“ eingestellt, die bei den Gästen für Lacher sorgt und sich auch streicheln lässt. Es handelt sich um einen fahrenden Roboter, gemietet über die Eisunion. „Vielleicht gibt es bald eine Roboter-Schwester, die auch auf holprigem Außenpflaster sicher fährt“.

Familie Shukri will weiter ein guter Gastgeber sein. Mindestens genauso spannend bleibt für beide die professionelle Herstellung von Speiseeis. Den klassischen Büroalltag kann sich Ahsem Shukri nicht vorstellen, dazu sei er viel zu Energie geladen. Die Mischung machts also bei ihm, der junge Unternehmer pendelt zwischen Einkauf, Personalführung, Aus- und Weiterbildung, neuen Speiseeisrezepten etc. – alles gut, solange es nicht allein Pflicht, sondern auch mit Freude und Leidenschaft betrieben wird, ist sich Ahsem mit seinem Vater Fikri einig.

Bildmaterial

  1. Amalfi_24-03-18_GW-67.jpg
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  2. Amalfi_DSC06186.JPG
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