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Ein Traum im Blütenmeer

Elżbieta Bugge-Królikowska hat sich einen Traum aus Kindheitstagen erfüllt und kurz vor dem Jahreswechsel ihr eigenes Blumengeschäft eröffnet. Mit der „Blumen Zeit“ gegenüber dem Bremerhavener Hauptbahnhof schließt sie eine seit längerem im Ortsteil Geestemünde bestehende Lücke und erfreut Kundinnen und Kunden mit außergewöhnlichen Blüten-Arrangements.

09.01.2026
Autor: Wolfgang Heumer

Kofinanziert von der Europäischen Union

Vor der Ladentür hält der nassgraue Winter Bremerhaven fest im Griff. Doch dahinter liegt in dem Geschäft in der Ladenzeile an der Friedrich-Ebert-Straße Frühling in der Luft. Aus Dutzenden von Vasen schicken Rosen, Tulpen und viele andere blühende Schönheiten ihren Duft in den Raum. „Wirklich? Ich habe das Gefühl, immer noch den Geruch von Farbe in der Nase zu haben“, meint Elżbieta Bugge-Królikowska. Ihre Tochter Julia liefert schnell die Erklärung: „Wir haben hier wochenlang renoviert, gestrichen und alles so schön gemacht, wie es sich Mama schon lange erträumt hat.“  „Hier“ - das ist das Geschäft „Blumen Zeit“ gegenüber dem Bremerhavener Hauptbahnhof, mit dem sich Elżbieta Bugge-Królikowska vor wenigen Wochen selbstständig gemacht hat. „Das war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe“, sagt sie mit strahlenden Augen.

Idealer Standort am Hauptbahnhof und in der Mitte eines großen Wohngebietes

Sag es durch die Blume. Doch in manchen Bremerhavener Ortsteilen bleiben die Bewohnerinnen und Bewohner in dieser Beziehung sprachlos. „Es gibt immer weniger Blumenläden in der Stadt“, hat Elżbieta Bugge-Królikowska beobachtet. In Geestemünde gibt es noch zwei oder drei Geschäfte; doch ausgerechnet rund um den Hauptbahnhof klafft seit der Schließung des dortigen Blumengeschäftes vor vielen Jahren eine Versorgungslücke. „Hier kommen so viele Menschen mit dem Zug an, die Freunde besuchen und ihnen gerne einen Blumenstrauß mitbringen möchten“, ist sie überzeugt. Und auch die Blumenkästen an den Balkonen der benachbarten Wohnhäuser blieben häufig leer, nachdem Bremerhavens größtes Gartencenter beiden Filialen in der Stadt geschlossen hatte. Wenn sie mit dem Bus dort vorbeikam, dachte sich Elżbieta Bugge-Królikowska jedes Mal: „Das müsste doch ein idealer Standort für ein Blumengeschäft sein.“

Vom eigenen Blumengeschäft habe sie schon als Kind geträumt, erzählt die gebürtige Polin. Wann immer sie die Möglichkeit hatte, arrangierte sie blühenden Schönheiten zu schmucken Blumengestecken. In ihrer polnischen Heimat arbeitete sie mehrere Jahre in einem Blumenladen und sammelte so wertvolle Erfahrung, die ihr heute nützlich sind. Sie hätte sich gerne zur Floristin ausbilden lassen; doch das ergab sich nie. „Aber das Gefühl für den richtigen Umgang mit Blumen und für einen schönen Strauß kann man auch so entwickeln“, ist sie überzeugt. Zwischenzeitlich kamen ihre Zwillingstöchter Emilia und Julia zur Welt. Und vor etwas mehr als zehn Jahren zog sie mit ihnen nach Deutschland - da standen andere Themen oben auf der Prioritätenliste. Für den notwendigen Lebensunterhalt nahm sie verschiedene Jobs an. Unter anderem arbeitete sie in einer Gärtnerei: „Da habe ich eine Menge über Blumen und die Kunst, sie zu binden, gelernt.“. Bei allen Veränderungen in ihrem Leben blieb der Traum vom eigenen Blumengeschäft bestehen.

Gründung mit Unterstützung der Familie und dem fachlichen Rat aus dem Afz

Und dann kam der Tag, an dem Elżbieta Bugge-Królikowska aus dem fahrenden Bus das leerstehende Geschäft gegenüber dem Hauptbahnhof sah. „Es hatte die perfekte Lage und Größe, um meinen Traum zu verwirklichen“, erinnert sie sich an ihre ersten Gedanken. Trotzdem zögerte sie zunächst, ein eigenes Geschäft bedeutet auch ein gewisses Risiko. „Wir haben ihr immer wieder zugeredet“, berichtet Julia über die Gespräche in der Familie: „Sonst wirst du irgendwann traurig sein, dass du deinen Traum nicht verwirklicht hast.“ Doch ihre Mutter ist keine Träumerin - sie holte sich fachlichen Rat, der grundsätzlich kostenfrei durch alle Gründerinnen und Gründer in Bremerhaven durch die Partner der Starthaus-Initiative angeboten wird. Als erste Instanz unterstützte das afz Arbeitsförderungszentrum Bremerhaven bei der Erstellung des Geschäftskonzeptes mit der passenden Strategieentwicklung bis hin zu einem bankenprüffähigen Businessplan. Im Anschluss daran konnte durch die BAB-Förderbank des Landes Bremen, Abteilung Starthaus Bremerhaven, eine Anfangsfinanzierung über einen Mikrokredit gewährt werden. „Das war alles wirklich sehr hilfreich“, sagt Elżbieta Bugge-Królikowska im Blick zurück.

Für ihre Geschäftsstrategie setzt Elżbieta Bugge-Królikowska voll auf den Standortvorteil am Hauptbahnhof: „Wir sind ideal für Laufkundschaft gelegen, die mit dem Zug in Bremerhaven ankommen oder die jemanden im nahe gelegenen Bürgerpark-Krankenhaus besuchen wollen.“ Zugleich ist die „Blumen Zeit“ von einem der größten geschlossenen Wohngebiete in der Stadt umgeben: „Dort besteht nicht nur ein großer Bedarf an Blumensträußen, sondern auch an Topf- und Balkonpflanzen.“

Blaue Rosen sind derzeit besonders beliebt

Kurz vor dem Jahreswechsel nahm der Traum mit der Geschäftseröffnung Gestalt an. Gemeinsam mit ihrer Familie hat Elżbieta Bugge-Królikowska ein schlichtes, aber schickes Blumengeschäft gestaltet. Die dunkelgrün und schwarz gestrichenen Wände bilden eine elegante Kulisse für die bunten Blumensträuße. Dank einer schmalen Trennwand ist das Sortiment nach Schnitt- und Topfblumen so sortiert, dass die Kundinnen und Kunden einen guten Eindruck von der Breite des Angebotes und der Qualität der Pflanzen bekommen. Gleich am Eingang begrüßt Elżbieta Bugge-Królikowska nicht nur ihre Kundinnen und Kunden - dort hat sie auch die Arbeitsfläche eingerichtet, an der sie Blumensträuße individuell den Kundenwünschen folgend zusammenstellt: „Mir ist eine persönliche Beratung sehr wichtig.“ Dazu gehört es auch, außergewöhnliche Blumen-Wünsche zu erfüllen: „Ein besonderer Renner sind derzeit blaue Rosen.“

Rot in allen Variationen vom zarten Rosé bis zum dunklen Violett sowie Weißtöne in vielen Schattierungen sind die vorherrschenden Farben im Geschäft: „Das sind meine absoluten Lieblingsfarben“, sagt die Blumenhändlerin. „Gelb mag sie eigentlich gar nicht“, verrät Tochter Julia leise, „aber sie macht natürlich gerne eine Ausnahme, wenn jemand gelbe Blumen haben möchte.“ Mit einem Lächeln deutet sie an, dass dies nicht nur guten Kunden vorbehalten ist: „Zum Abiball im Sommer werde ich ein gelbes Kleid tragen“, sagt sie, „da ist natürlich klar, welche Farben der Blumenstrauß haben wird.“ Und genauso klar ist, dass der Strauß aus dem neuen Blumengeschäft kommt, das mitten im Winter den Frühling in die Stadt gebracht hat.

Bildmaterial

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