29.08.2025
Autor: Wolfgang Heumer
„Lady Sunrise“ fährt Gäste durch den Fischereihafen
Nach dem Ablegen der 26 Meter langen Glasdach-Barkasse „Lady Sunshine“ am Schaufenster Fischereihafen in Bremerhaven fängt die Rundfahrt zunächst ganz klassisch an. „Auf einem Schiff heißt rechts Steuerbord, links ist Backbord“, erläutert Matrose Mark Lippert den Gästen. „Nur so zum besseren Verständnis, damit hier keiner in die falsche Richtung schaut“, fügt er hinzu. Ob die Mitreisenden ihm gefolgt sind, prüft er sofort. „An Steuerbord sehen Sie die ,Wega’, ein Forschungsschiff des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie“, sagt der 54-Jährige. Tatsächlich schauen alle Passagiere nach rechts. „Uiii, das Schiff kann ich ja fast anfassen“, ist eine Frau aus Vlotho begeistert, als Kapitän Tammo Gloystein die „Lady Sunshine“ fast auf Armeslänge an den hoch aufragenden Rumpf heran steuert. „Ja, das gehört zu den Besonderheiten der Tour durch den Fischereihafen“, freut sich Mark Lippert.
Hafenrundfahrten begeistern jährlich bis zu 90.000 Gäste
Hafenrundfahrten gibt es in Bremerhaven seit 1978. „Mein Vater hat die Idee aus Hamburg mitgebracht“, sagt Maice Hissenkämper von der HaRuFa Maritime Tourismus GmbH. Zunächst beschränkten sich die Touren auf die Überseehäfen in Bremerhaven. Dort bewegen sich die großen Container-, Fracht- und Kreuzfahrtschiffe. Der Fischereihafen mit damals bereits mehreren tausend Arbeitsplätzen in der Lebensmittelproduktion, einem bunten Branchenmix aus Handwerks- und Industriebetrieben und einem großen Werftkomplex führte in der öffentlichen Wahrnehmung noch ein Schattendasein.
Mitte der 1990er-Jahre änderte sich das. Mit dem Umbau zum Schaufenster Fischereihafen mit Fischgeschäften und -restaurants wurde das Areal zu einer beliebten Touristenattraktion. Passend zum 100-jährigen Bestehen des Hafens, „hat sich mein Vater entschlossen, auch im Fischereihafen regelmäßig Hafenrundfahrten anzubieten“, erinnert sich die heutige HaRuFa-Chefin. Seit 1999 lenkt sie die Reederei, die mit zwei Schiffen und 15 Beschäftigten jährlich bis zu 90.000 Gäste durch die Häfen an der Wesermündung fährt. „Wenn man damit aufwächst, ist es keine Frage, ob man ein solches Familienunternehmen weiterführt“, sagt sie.
Im Fischereihafen wollen die Gäste mehr als nur „Schiffe gucken“
„Schiffe gucken“ ist für die Gäste der Rundfahrten in den Überseehäfen am wichtigsten. Im Fischereihafen dagegen, dort wo man näher an die Schiffe herankommt, wollen viele mehr Details wissen und den Hafen näher kennenlernen, wie Maice Hissenkämper sagt. So wird die Fahrt durch das Hafengebiet in Bremerhavens Süden auch zu einer Zeitreise durch die Stadtgeschichte: von der Eröffnung des Fischereihafens am 1. November 1896 bis zu dem heutigen und zukünftigem Geschehen auf den Land- und Wasserflächen des rund 25 Quadratkilometer großen Areals.
Die Zukunft beginnt gleich nach dem Start am Schaufenster Fischereihafen. An Steuerbord (rechts!) symbolisieren der Kai für die Forschungsschiffe des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie und daran anschließend das neue Zentrum der Thünen-Institute für Seefischerei und Fischereiökologie Bremerhavens wachsende Bedeutung in der maritimen Forschung. Wenige Augenblicke später wird das Hauptgebäude des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) sichtbar, das zu den weltweit führenden Institutionen in der Grundlagenforschung zum Verständnis des Erdklimas zählt.
„Ich bin ein absoluter Fan des Fischereihafens“
Zuvor aber passiert die „Lady Sunshine“ noch ein Gebäude, das gewissermaßen eine Brücke zwischen Historie und Zukunft des Fischereihafens schlägt: „Das weiße Haus dort ist das älteste Gebäude im Fischereihafen“, berichtet Gästeführer Mark Lippert, „ursprünglich war es die Zentrale der Nordsee – Deutsche Hochseefischerei, aus der die Restaurantkette Nordsee hervorgegangen ist.“ Mittlerweile befinden sich dort Arbeitsplätze für Forschende des AWI aus aller Welt.
Lippert weiß über nahezu jedes Unternehmen, jeden Kai und jedes Schiff im Fischereihafen etwas zu berichten. „Zum Teil war es ja etwas mühsam, diese ganze Details zu recherchieren und zu speichern“, räumt er ein, „aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht.“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Ich bin ein absoluter Fan des Fischereihafens.“ Deshalb sei er auch gerne von den Rundfahrten durch die Überseehäfen zu den Törns durch den Fischereihafen gewechselt. Das Erstaunliche: „Mit Seefahrt oder Fischerei habe ich gar nichts zu tun gehabt, bevor ich zur HaRuFa kam“, erzählt Mark Lippert. „Ich war im Vertrieb tätig.“
Kapitän auf Großer Fahrt lenkt die „Lady Sunshine“ durch den Hafen
Kapitän Tammo Gloystein ist dagegen ein Seemann, der seinen Beruf von der Pike auf gelernt hat. Zunächst war er als Schiffsmechaniker unterwegs, dann absolvierte die komplette nautische Ausbildung und erwarb das Patent „Kapitän auf Großer Fahrt“. Nach Jahren auf See wechselte er zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt als Nautiker vom Dienst – bis er aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit nahm und schließlich als Kapitän der „Lady Sunshine“ zur Seefahrt zurückkehrte. Vier Mal am Tag fährt er dieselbe Route, aber zur Routine wird das für ihn nicht: „Es sind jedes Mal andere Gäste mit anderen Fragen an Bord, jedes Mal macht es auf andere Weise Spaß“, sagt er.
Maice Hissenkämper ist glücklich, dass Tammo Gloystein nun zum Team gehört. Vier Jahre musste sie suchen, bis sie einen Kapitän für ihre „Lady Sunshine“ fand. Nun kann sie die beliebten Fischereihafentouren endlich wieder anbieten. Gloystein steuert die Barkasse mit sicherer Hand durch den Hafen, in dem neben den Aktivitäten an Land auch ein reger Betrieb auf dem Wasser herrscht: Fischtrawler, die ihren Fang an den Lagerhäusern und Produktionsstätten der Fischindustrie mit Markennamen wie Iglo, Frosta und Deutsche See abliefern; Schlepper, die große Sektionen für Offshore-Windparks Richtung Schleuse ziehen; Frachtschiffe auf dem Weg zu den Docks am Südende des Fischereihafens. Dazwischen liegt einer der kräftigsten deutschen Schwimmkräne. Und immer wieder sind Wassersportler mit ihren Jachten und Booten unterwegs. Zu allem weiß Mark Lippert Details zu berichten. „Man muss schon auf dem Laufenden sein. Auf den Fischereihafen-Touren fahren zumeist Leute mit, die nicht nur einfach Schiffe gucken wollen, sondern ganz viel wissen und verstehen möchten.“
Mehr als 400 Betriebe sind im Fischereihafen ansässig
Weil sich die Wirtschaftsstruktur des Fischereihafens nach diversen Krisen in Schiffbau und Fischerei mehrfach verändert hat, ist das Areal ökonomisch stark wie nie zuvor. Mehr als 400 Betriebe sind hier ansässig, insgesamt zählen sie mehr als 9.000 Beschäftigte. Die Palette reicht vom Kleinunternehmen in der Fischverarbeitung bis zu den Großen der Branche, die unter anderem Europas größte Produktionsstätte für Fischstäbchen unterhalten.
Daneben haben sich viele andere Branchen entwickelt: vom Segelmacher über die Großdruckerei bis zum internationalen Marktführer, der Spezialmaschinen für die Pharma- und Kosmetikindustrie fertigt. „Es ist schon erstaunlich, wie vielfältig der Fischereihafen ist, und wie sehr er sich immer wieder weiter entwickelt“, zollt Lippert dem Gebiet Respekt. „Vielleicht ist dies der Grund, warum die Rundfahrten hier bei den Gästen unserer Stadt so beliebt und für uns Einheimische so interessant sind.“
Pressekontakt: Maice Hissenkämper, Geschäftsführerin, HaRuFa Maritime Tourismus GmbH, Tel.: +49 471 415850, E-Mail: kontor@hafenrundfahrt-bremerhaven.de
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