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LUNEDELTA erhält DGNB-Zertifikat in Platin

Auf der EXPO REAL in München ist das Bremerhavener Gewerbegebiet für seine Erschließung ausgezeichnet worden

06.10.2026
AutorIn: BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven

Als die BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven im Oktober 2019 mit dem Vorzertifikat in Platin von der Messe aus München zurückkam, war das LUNEDELTA vor allem eine Vision für nachhaltiges Wirtschaften. Inzwischen liegt ein rechtskräftiger Bebauungsplan vor, die ersten Straßen und Leitungen sind im Bau, und am Eingang des Gebiets steht mit dem Gründungs- und Innovationszentrums luniq bereits das erste Gebäude. An diesem Dienstag hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bestätigt, dass der Anspruch von damals die neuerliche Prüfung erfolgreich bestanden hat: Das Gewerbegebiet LUNEDELTA erhält das DGNB-Quartiers-Zertifikat für die Erschließung in Platin, der höchsten Auszeichnungsstufe.

Übergeben wurde das Erschließungszertifikat auf der Immobilienmesse EXPO REAL in München, auf der sich Bremen und Bremerhaven in Halle B2 an Stand 240 präsentieren. Ute Bartels (Projektleitung) und Matthias Pautzke (Immobilienvermarktung) nahmen das Zertifikat stellvertretend für die Grundstückseigentümerin BEAN entgegen.

Der Gesamterfüllungsgrad liegt bei 80,2 Prozent. Bewertet wurden fünf Qualitätsbereiche: Ökologie, Ökonomie, die soziokulturelle und funktionale Qualität, die Technik und die Prozessqualität.

Warum dieses Zertifikat so wichtig ist

Das DGNB-System für Quartiere umfasst mehrere Stufen. Das Vorzertifikat bewertet einen städtebaulichen Entwurf. Für das heute ausgestellte Zertifikat der Erschließung reicht ein Entwurf nicht mehr: Verlangt werden ein Bebauungsplan im Satzungsbeschluss und eine tatsächlich begonnene Erschließung. Geprüft wird also nicht mehr das Planungsvorhaben, sondern was festgeschrieben ist und tatsächlich gebaut wird. Der Bebauungsplan für das Plangebiet mit rund 96 ha Brutto Bebauungsfläche ist im Herbst 2024 in Kraft getreten, seitdem wird im ersten Bauabschnitt gearbeitet.

Für Martin Günthner, Oberbürgermeister der Stadt Bremerhaven, bestätigt sich die Vision: „Dass wir nach dem Vorzertifikat nun auch bei der Erschließung die Hürde für die Platin Auszeichnung genommen haben, bescheinigt unseren Kurs in Richtung Zukunft: In Bremerhaven beweisen wir, dass moderne Gewerbegebiete wirtschaftlich tragfähig sein können und gleichzeitig hohe ökologische Standards erfüllen. Das LUNEDELTA und unser Gründungs- und Innovationszentrum luniq bieten genau jene Grundlagen, die innovative Unternehmen der Green Economy heute für ihre Ansiedlung suchen.“

Die Erschließung folgt dem Gelände, nicht umgekehrt

LUNEDELTA liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Luneplate, dem größten Naturschutzgebiet im Land Bremen. Das ist attraktiv und anspruchsvoll zugleich: Marschboden, hoher Grundwasserstand, ein über Jahrhunderte gewachsenes System aus Gräben und Fleeten. Die Planung hat sich daran orientiert, statt sich darüber hinwegzusetzen. Retentionsflächen und Biotopstrukturen blieben erhalten, das Regenwasser bleibt weitgehend in der Fläche.

Ute Bartels hat die Erschließung von der ersten Planungsrunde an begleitet. „Wir haben uns bei fast jedem Detail gefragt, ob es der nachhaltigen Vision und den natürlichen Bedingungen vor Ort entspricht. Beim Umgang mit den vorhandenen Gräben zum Beispiel hätte man es sich einfacher machen können. Wir haben uns für die aufwendigere Variante entschieden und sie in das Entwässerungskonzept eingebunden. Das hat Abstimmungen gekostet, aber es ist die Lösung, die zu diesem Boden passt - und rechnen tut sie sich am Ende auch. Solche Entscheidungen stecken hinter dem Platin-Zertifikat. Man sieht sie einem Gewerbegebiet später nicht an, aber sie machen den Unterschied.“

Hinzu kommen ein Energiekonzept, das auf erneuerbare Quellen setzt, ein Wasserwirtschaftskonzept zur Senkung des Trinkwasserbedarfs, ein an der Kreislaufwirtschaft ausgerichtetes Wertstoffkonzept sowie eine klimagerechte Mobilität mit geplanter ÖPNV-Anbindung, Radwegeanschluss und gemeinschaftlich nutzbaren Angeboten.

Mehrwert für die Unternehmen

Für ansiedlungsinteressierte Betriebe ist das Zertifikat mehr als ein symbolisches Zeichen. Wer im LUNEDELTA baut und sein eigenes Gebäude nach DGNB zertifizieren lassen möchte, kann sich Bewertungspunkte aus der Quartierszertifizierung anrechnen lassen. Das senkt Aufwand und Kosten - ein Argument, das angesichts von EU-Taxonomie, Berichtspflichten und den Nachhaltigkeitskriterien der Banken zunehmend über Finanzierungen mitentscheidet.

„Vor fünf Jahren mussten wir auf Messen noch erklären, warum ein Gewerbegebiet überhaupt ein Nachhaltigkeitszertifikat braucht“, sagt Matthias Pautzke, der die Flächen vermarktet. „Diese Frage wird heute nicht mehr gestellt. Stattdessen stehen Zahlen im Mittelpunkt: Wie viele Punkte kann ich anrechnen, wie sieht die Energieversorgung aus, wie schnell komme ich in den Betrieb. Darauf haben wir jetzt belastbare Antworten - und das ist im Gespräch mit den Unternehmen ein ganz wichtiger Hebel.“

Die Erschließung erfolgt bedarfsorientiert in mehreren Bauabschnitten, die Grundstückszuschnitte sind flexibel. Angesprochen sind Unternehmen aus der Green Economy im weiteren Sinne: GreenTech, Wasserstoff, biobasierte und kreislauffähige Produktion, energetisch nachhaltige IT, Green-Tech Dienstleistungen sowie im allgemeinen Betriebe, die sich der nachhaltigen Transformation verschreiben. Zuletzt hat der Magistrat am 1. Juli 2026 weitere Mittel für Planungs- und Bauleistungen im ersten Bauabschnitt freigegeben. Der Großteil der Finanzierung wird dabei über die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) abgedeckt.

luniq: Das Initialgebäude für die Green Economy in Bremerhaven eröffnet Anfang 2027

Den sichtbaren Gebietsauftakt bildet das Gründungs- und Innovationszentrum luniq an der Seeborg 51, direkt am Eingang des Gebiets. Es trägt seit 2022 ein eigenes DGNB-Vorzertifikat in Platin. Nach dem Richtfest im Juli 2025 geht der Bau nun in die Endphase, die Eröffnung ist für Anfang 2027 vorgesehen.

Auf rund 6.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entstehen in einer modernen kreislauforientierten Holzbauweise Werkstätten, Büros unterschiedlicher Größe, Coworking-Flächen sowie Tagungs- und Gemeinschaftsbereiche. Die Haustechnik folgt bewusst einem Low-Tech-Ansatz mit Geothermie, Photovoltaik auf dem weitgehend begrünten Dach.

Für die Vermarktung des gesamten Gebiets ist dieser Termin ein wichtiger Meilenstein: Ab Anfang 2027 lässt sich das nachhaltige Gewerbegebiet LUNEDELTA nicht mehr nur erklären, sondern zeigen. Interessierte Unternehmen können dann vor Ort sehen, was ein Platin-Quartier in der Praxis bedeutet - und die Gespräche finden nicht mehr am Messestand oder virtuell, sondern im Atrium des luniq statt. Flächenanfragen für beides, Grundstücke im LUNEDELTA sowie für die Anfang 2027 bezugsfertigen Mietflächen im luniq, nimmt die BIS Wirtschaftsförderung entgegen.

·         Eigentümerin: BEAN Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen Entwicklung

·         Vermarktung: BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven, Geschäftsbereich Immobilien

·         DGNB-Audit: Thomas Kraubitz, Buro Happold GmbH

·         Städtebau und Freiraum: CITYFÖRSTER architecture+urbanism, urbane gestalt PartGmbB, Transsolar KlimaEngineering

·         Erschließungsplanung: Sweco

·         luniq: ARGE Partner und Partner Architekten, KOKOMO Landschaft und Stadtraum GmbH, Merz Kley Partner; Energie Büro Berlin, Nachhaltigkeitsberatung ee concept GmbH

Bildmaterial

  1. 0_exporeal2026Tag2_DGNB_Konstantin-148.jpg
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