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Imbiss „Fisch 2000“ ist seit 40 Jahren eine Kultadresse

„Fisch 2000“ im Bremerhavener Fischereihafen ist Kult. Das Erfolgsrezept des Bistros und Fischgeschäfts basiert seit 40 Jahren auf simplen Zutaten: frischer Fisch, einfach und lecker zubereitet – und das zu fairen Preisen. Die Gerichte werden noch mit einem Schuss der Atmosphäre verfeinert, die den einst größten Fischereihafen des Kontinents Jahrzehnte prägte.

24.09.2026
AutorIn: Wolfgang Heumer

„Einmal die 27, bitte. Dorschfilet, gebraten mit Kartoffelsalat.“ Anja Gerlach legt etwas Nachdruck in ihre Stimme. Als Thekenkraft im „Fisch 2000“ ist sie es gewohnt, sich gegen jede Geräuschkulisse durchzusetzen. Das Lokal im Bremerhavener Fischereihafen ist nur selten leer. Ab mittags, wenn in den Betrieben und Büros rundherum Essenszeit ist, wird es im Imbiss und dem Fischgeschäft schnell voll. „Fisch 2000“ ist seit 40 Jahren eine Institution. Das Erfolgsrezept basiert auf einfachen Zutaten: frischer Fisch zu fairen Preisen.

Neben dem Handwerker im Blaumann steht die Buchhalterin im schicken Outfit in der Schlange. Dazwischen reihen sich Bremerhaven-Gäste aus der ganzen Republik ein. „Dieser Imbiss ist wirklich Kult“, sagt Geschäftsführer Fridrik Samuelsson mit einem Unterton, als könne er es selbst nicht glauben. Tatsächlich bestreitet er jede Verantwortung für den Erfolg und verweist lieber auf das Team hinter der Theke, das jetzt auf Hochtouren läuft. „Als mein Bruder Samuel und ich das Lokal 2013 gekauft haben, war es schon längst Kult“, sagt der Unternehmer. „Wir haben nur dafür Sorge getragen, dass dieses Zeugnis aus dem traditionellen Bremerhavener Fischereihafen erhalten bleibt.“

Eine Adresse als historisches Siegel

An der Packhalle VI: Die Adresse des urigen Fischlokals ist Postanschrift und historisches Siegel zugleich. Der Imbiss befindet sich an der Ecke der Halle, in der einst frischer oder geräucherter Fisch für den Versand ins Binnenland vorbereitet wurde. Das Gebäude ist Teil eines ganzen Ensembles aus lang gestreckten roten Backsteingebäuden mit einer langen Geschichte. Gemeinsam mit der nur wenige Schritte entfernten Auktionshalle bilden sie seit gut 100 Jahren das Herz des Bremerhavener Fischereihafens. 

Noch immer wird hier und in der Nachbarschaft Fisch verarbeitet, auch wenn das Gewerbegebiet längst einen grundlegenden Strukturwandel durchlebt hat. Gleich nebenan ist ein Hersteller von Hightech-Maschinen für die Pharmaindustrie ansässig. In der benachbarten Halle residiert seit vielen Jahren ein Figurentheater. Gegenüber der Packhalle VI haben sich ein internationaler Logistikdienstleister und ein großes Steuerberatungsbüro angesiedelt. „Aber hier spürt man noch deutlich, wie es früher im Fischereihafen war“, sagt ein einheimischer Fisch-2000-Gast. Früher, als die Fischtrawler ihren Fang anlandeten und dieser gleich nebenan verarbeitet wurde.

„Hermann, der Räucherer“ gründete das Lokal

Die Geschichte des schlichten Lokals und seiner klassisch-einfachen Küche reicht bis in die Mitte der 1980er-Jahre zurück. Das Bremerhavener Urgestein Hermann Czichy – in der Stadt damals als „Hermann, der Räucherer“ bekannt – erweiterte seine Räucherei und das angeschlossene Fischgeschäft um einen kleinen Imbiss. Schnell sprach sich das neue Angebot herum. Weil das Essen schmackhaft, reichlich und preiswert war, herrschte fast von Anfang an Andrang. 

Anders als heutzutage war das gastronomische Angebot im Fischereihafen – abgesehen von einem gehobenen Fischrestaurant gegenüber – für die fast 10.000 Beschäftigten in dem 400 Hektar großen Gewerbe- und Industriegebiet eher überschaubar. Kurze Zeit später verkaufte Czichy den Betrieb an einen Freund, der es aus Altersgründen 2013 an die Brüder Samuelsson weiterreichte. „Wir haben das Bistro und das benachbarte Geschäft zwar modernisiert, aber wir haben am Konzept und der Idee nichts geändert“, sagt der gebürtige Isländer Fridrik Samuelsson.

Typisch norddeutsch – hier wird nicht viel geschnackt

Rotbarsch, Seelachs, Dorsch, Kabeljau oder Dorade frisch als Filet geschnitten, durch Bierteig gezogen und bis zum perfekten Gargrad frittiert. Dazu Bratkartoffeln, Pommes, Kartoffelsalat mit Mayonnaise oder Speck-Öl. Das ist die eine Seite der Speisekarte – oder genauer der großen Wandtafel über dem Verkaufstresen. Die andere Seite bietet Räucherfisch oder Marinaden, also eingelegte Ware wie Matjesfilet, wahlweise klassisch gesalzen, mit Kräutern oder Aalrauch aromatisiert. 

Jede Bestellung bekommt eine Nummer. Im „Fisch 2000“ ist Selbstbedienung angesagt: „Einmal die 27, bitte. Dorschfilet, gebraten mit Kartoffelsalat“, wiederholt Anja Gerlach noch mal die Bestellung. Die insgesamt 15 Vollzeitbeschäftigten sorgen im Schichtbetrieb dafür, dass niemand lange warten muss. Anja Gerlach und ihre Kolleginnen arbeiten schnell und konzentriert. Ab und zu nehmen sie sich Zeit für ein kurzes, freundliches Gespräch mit den Gästen. Aber typisch norddeutsch: Viel wird hier nicht geschnackt. Auch Pausen gehören für das Team eher zur Seltenheit: „Schlafen kann ich zuhause“, sagt Anja Gerlach und lacht.

In der langen Kühltheke liegt die frische Rohware

Im linken der beiden Gasträume können die Gäste auf der roten Lederbank und an Tischen Platz nehmen. Im Raum rechts gibt es ein paar Stehtische mit Barhockern, sonst nichts. Beherrschend ist hier die lange Kühltheke mit der frischen Rohware. Direkt dahinter befinden sich Herd und Fritteuse für die Zubereitung. Wer will, kann die Zutaten frisch kaufen und in der eigenen Küche selbst zubereiten. 

Ältere Bilder an der Wand erinnern an die Geschichte des Fischereihafens und an die maritime Historie von Bremerhaven. Wer es lieber schick und modern mag, bleibt beim Bremerhaven-Besuch im benachbarten Schaufenster Fischereihafen. Dort hat die Betriebsgesellschaft FBG Bremerhaven seit Mitte der 1990er-Jahre das damals erste und bis heute beliebte Tourismusgebiet der Seestadt aufgebaut. Mit der Eventlocation „Fischbahnhof“, dem Theater im Fischereihafen, dem Fischkochstudio sowie einer interaktiven Ausstellung zum Thema Fischerei sind dort touristische Attraktionen entstanden, die eng mit dem historischen Charakter des Areals verknüpft sind. Doch das Original des Fischereihafens ist hier im Imbiss „Fisch 2000“ zu finden.

„Wir machen, was wir am besten können: frischen Fisch“

Beide Seiten, das Original und das Schaufenster, ergänzen sich gut. Weil die Nachfrage so groß ist, hat Fridrik Samuelsson die Öffnungszeiten des Lokals von Dienstag bis Freitag auf 21 Uhr verlängert. Nur montags ist – wie an den übrigen Tagen im Frischfischhandel nebenan – bereits um 17 Uhr Schluss. Morgens beginnt es einheitlich an jedem Tag um 8.30 Uhr. Ab 11 Uhr wird es dann langsam immer voller, „mittwochs, donnerstags und freitags stehen dann häufig Schlangen vor der Tür“, weiß Anja Gerlach.  Auf die Frage nach dem Erfolgsrezept des Lokals antwortet sie zögernd. „Haben wir ein Rezept? Wir machen doch keine große Show, sondern einfach gutes Essen und das, was wir am besten können: frischen Fisch.“

 

Bildmaterial

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Pressekontakt:

Fridrik Samuelsson, Geschäftsführer Fisch 2000, Tel.:  +49 471 9744411, E-Mail: info@fisch2000.de

 

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