21.08.2026
AutorIn: BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven
Der 8. Bremerhavener Wirtschaftsdialog bot dabei erneut zwei Tage voller Impulse, intensiver Gespräche und persönlicher Begegnungen. „Der Wirtschaftsdialog lebt vom offenen Austausch und davon, dass Unternehmer ihre Erfahrungen miteinander teilen – auch dann, wenn es um schwierige Entscheidungen und Herausforderungen geht. Ich bin sehr stolz darauf, diese besondere Veranstaltung in diesem Jahr ein letztes Mal als Gastgeber begleiten zu dürfen“, sagt Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven. „Gleichzeitig fällt mir der Abschied leicht, weil ich weiß, dass der Wirtschaftsdialog auch künftig wichtige Impulse für den Wirtschaftsstandort Bremerhaven geben wird. Und eines ist sicher: Im nächsten Jahr bin ich nicht mehr als Gastgeber, sondern sehr gerne als Gast dabei.“
André Grobien, Präses der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven, sagt: „Der Bremerhavener Wirtschaftsdialog hat gezeigt, dass gute Führung und eine offene Kultur echte Hebel für den wirtschaftlichen Erfolg sind. Ein gutes Arbeitsumfeld motiviert die eigenen Teams und macht einen Arbeitgeber für Fach- und Führungskräfte attraktiv. Wer heute die besten Köpfe gewinnen will, überzeugt mit mehr als dem Gehalt. Beim Wirtschaftsdialog haben Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region offen von ihren eigenen Erfahrungen berichtet."
Der diesjährige Wirtschaftsdialog war sowohl durch die Offenheit als auch durch die Praxisnähe der Vortragenden geprägt. Die Unternehmerin Viktoria Schütz aus Thüringen ließ ihre Zuhörer:innen im Interview mit Moderator Rönke von der Heide an ihrem schwierigen Entscheidungsprozess zur Übernahme des Maschinenbau-Unternehmens Deguma-Schütz GmbH ihrer Familie teilhaben. Schließlich habe sie sich ein klares Ziel gesetzt: „Ich wusste, dass ich vieles anders machen möchte. Denn das klassische Modell mit hierarchischer, impulsiver Führung ohne Strategie und klarer Linie entsprach nicht meinen Werten.“ Auf dem Weg, die Deguma-Schütz GmbH als attraktive Arbeitgeberin zu positionieren, traf sie auf unerwartete Hindernisse: „Die Beschäftigten begegneten meinem Vorschlag einer Viertagewoche mit Skepsis und Bedenken.“ Doch Viktoria Schütz gab nicht auf.
Ihr Fazit: Veränderung setzt eigene Lernbereitschaft voraus. Das Gelernte gibt sie inzwischen weiter: Neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin arbeitet sie als Coachin für Unternehmer:innen. Den Gästen des Wirtschaftsdialoges legte sie ans Herz: „Wenn man etwas tut, muss man es aus Überzeugung tun und nicht nur, weil es erwartet wird.“
In der Bremer cellumation GmbH ging es dagegen nicht um Veränderung, sondern um das Bewahren von Bewährtem. Das 2017 gegründete Unternehmen hat die Fördertechnik mit einem auf Robotik basierenden System revolutioniert und wächst seitdem rasant. Die für die Geschäftsentwicklung verantwortliche Marketingchefin Theresa Gröninger hat parallel zum Wachstum grundlegende Veränderungen im Unternehmen beobachtet: „Aus Gründenden werden Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen. Und aus der gemeinsam entwickelten Unternehmenskultur werden Erwartungen.“
Um dennoch die innovationsfördernden Strukturen aus der Gründerzeit zu bewahren, setzen die Köpfe von cellumation auf ein Bündel von Maßnahmen. Anfangs war die entwickelte Technologie für sich außergewöhnlich genug, um einen Zusammenhalt im Team zu bewirken. „Jetzt feiern wir das Außergewöhnliche, das in unserem Team steckt“, berichtet Theresa Gröninger. Ein weiteres Prinzip: cellumation pflegt und fördert die Talente der Beschäftigten: „Jeder im Unternehmen hat irgendeine Superkraft. Und aus dieser Vielfalt entstehen Innovationen.“ Den Teilnehmenden des Wirtschaftsdialogs gibt Theresa Gröninger mit auf den Weg: „Schaffen Sie eine Welt, wo jeder so sein kann, wie er ist.“ Das wirke sich nicht nur auf die interne Stimmung, sondern auch auf das Geschäft aus: „Die Kunden merken den Unterschied.“
Zukunftsweisende Führungsmethoden und Unternehmenskulturen wirken am besten in einer innovativen Umgebung. Der frühere Basketball-Bundesliga-Profi Malte Ziegenhagen stellte den Dialog-Teilnehmer:innen ein beispielhaftes Projekt aus seiner Heimatstadt Chemnitz vor. Drei private Investoren haben dort das fast 200 Jahre alte Gebäude einer früheren Maschinenfabrik zu einem gemeinsamen Ort für die Zukunft von Arbeit und Leben entwickelt. „Wir haben hier Raum für Arbeitsplätze genauso geschaffen wie Räume zum Leben und für die Freizeit“, berichtet Malte Ziegenhagen.
Neben Büros und Co-Working-Plätzen gehören Appartements, Restaurants, ein Fitness-Center und ein Dachsportplatz sowie eine Eventlocation und sogar eine Rooftop-Bar zum Konzept. Nun strahle das Gebäude ein neues Lebensgefühl aus: „Die meisten Menschen denken: ,Ich muss zur Arbeit’. Aber hier kann man mit Überzeugung sagen: ,Ich darf zur Arbeit’.“
Mit großem Interesse besichtigten Malte Ziegenhagen und seine Zuhörer:innen das von der BEAN - Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen initiierte Projekt „luniq“ im Gewerbegebiet LUNEDELTA. Das neue Gründungs- und Innovationszentrum ist nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft aus wiederverwertbaren Baustoffen errichtet und gilt dank eines Low-Tech-Energiekonzeptes als besonders umweltgerecht. Beim Blick aus einem der Bürofenster auf das angrenzende Naturschutzgebiet stellte Ziegenhagen fest: „Dieses Gebäude bietet wirklich in jeder Hinsicht gute Perspektiven.“
Auch in seiner achten Auflage folgte der Bremerhavener Wirtschaftsdialog dem Grundsatz, den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmer:innen aus der Region zu fördern. Zum Thema „Arbeitsumfeld“ berichteten Rolf Treusch und sein Sohn Niklas über das Neubauprojekt für ihre Rotek GmbH & Co. KG. Neben einer Vergrößerung der Produktion von Elektromotoren wollen die beiden die Arbeitsatmosphäre und die Abläufe im Unternehmen verbessern.
Dem Ziel sind sie nun sehr nahe, aber der Weg war schwierig, berichteten die beiden aus den eigenen Erfahrungen. Ihr Rat: „Man darf den Aufwand für ein solches Projekt nicht unterschätzen, aber es zahlt sich auf jeden Fall aus“, bilanzierten die beiden.
Zum Stichwort „Unternehmensführung“ berichtete Florian Jüchter aus seinen Erfahrungen als Verantwortlicher für das Qualitätsmanagement in der dbh Logistics IT AG in Bremen sowie aus seiner freiberuflichen Arbeit als Unternehmensberater.
Er legte den Dialog-Gästen nahe, Hierarchien und Entscheidungsregeln im Unternehmen kritisch zu überdenken: „Warum muss eine Entscheidung durch die ganze Hierarchie und wieder zurücklaufen, statt sie genau dort zu fällen, wo sie gebraucht wird?“
Eine gut entwickelte Unternehmenskultur ist positiv für die Firma, bestätigte Matthias Böhm, Geschäftsführender Gesellschafter des Versicherungsmaklers Lampe & Schwartze. Auf der Suche nach neuen Fachkräften setzt Böhm auf interne Veränderungen: Das Unternehmen zeigt starkes Vertrauen in die Arbeit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten; gegenseitige Achtsamkeit auch gegenüber privaten Sorgen und Themen prägt den Umgang miteinander; interne Veranstaltungen in der Freizeit sorgen für ein entspanntes Miteinander am Arbeitsplatz. Der eingeschlagene Weg in die Zukunft erwies sich schnell als richtig: Lampe & Schwartze konnte seine Marktposition deutlich verbessern.
Den praktischen Nutzen Künstlicher Intelligenz konnten die Dialog-Teilnehmer selbst erproben. Für ein Fazit der Veranstaltung setzte der aus Bremerhaven stammende Moderator Rönke von der Heide ein selbst entwickeltes KI-Tool ein, das er derzeit erfolgreich in der Tagungsbranche vermarktet. Per Handy konnten die Gäste die ihnen wichtigsten Botschaften als Sprachnachricht an das Tool schicken. Die Auswertung kam prompt: Die richtige Unternehmensführung und -kultur sowie ein gut gestaltetes Arbeitsumfeld sind tatsächlich die wichtigsten Hebel, um Innovationen voranzubringen.
Über den Wirtschaftsdialog:
Der Bremerhavener Wirtschaftsdialog ist eine Plattform für Austausch, Vernetzung und neue Impulse am Wirtschaftsstandort Bremerhaven. Einmal im Jahr bringt die zweitägige Veranstaltung Unternehmer, Führungskräfte, Vertreter aus Wissenschaft und Politik sowie weitere Akteure der regionalen Wirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Themen, die Unternehmen bewegen – verbunden mit persönlichen Einblicken aus der Praxis, Raum für Gespräche und der Möglichkeit, neue Perspektiven und Kontakte zu gewinnen. Veranstaltet wird der Wirtschaftsdialog von der BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven, der Stadt Bremerhaven und der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven.