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Bremerhaven City von der Weser aus gesehen
Wirtschaftsförderung Bremerhaven

Schwimmende Fischfabrik

18.07.2017, Autor: Helmut Stapel
Hochsee-Fischtrawler „Jan Maria“ setzt Hightech für Rekordfänge ein

Er ist ein Hightech-Denkmal auf dem Ozean: Der Fischtrawler „Jan Maria“. Er setzt eine spezielle Technik für den Fischfang ein und kann bis zu 5.000 Tonnen tiefgefrorenen Fisch in seinem Bauch lagern. Das Schiff ist der letzte deutsche Hochseetrawler mit dem Heimathafen Bremerhaven.

 

Aufbruch zur Fangfahrt wie in alten Zeiten

Es ist fast so wie in den Zeiten der deutschen Hochseefischerei der 1960er-Jahre. Wenn die „Jan Maria“ den Bremerhavener Fischereihafen verlässt, stehen Frauen und Kinder am Hafenbecken und winken ihren Männern an Bord zu. Allerdings gibt es im Vergleich zu den früheren Fischdampfern einen gewaltigen Unterschied: Das Schiff ist beeindruckende 125 Meter lang und fast 20 Meter breit. Die „Jan Maria“ ist der letzte deutsche Fischtrawler mit Heimathafen Bremerhaven. Und es ist das zweitgrößte unter deutscher Flagge fahrende Fabrikschiff. Sie steht für die lange Tradition der Hochsee-Fischereiflotte an der deutschen Nordseeküste.

 

Deutschlandweit nur noch zwölf Fangschiffe

Als durch den internationalen Beschluss der 200-Seemeilen-Schutzzone in den 1970er-Jahren traditionelle Fanggebiete im Atlantik und der Nordsee verloren gingen, bedeutete das auch das Ende der deutschen Hochsee-Fischereiflotte. Lagen die Schiffe früher dicht an dicht in den Fischereihäfen, gibt es heute gerade noch zwölf Fangschiffe in ganz Deutschland. Acht davon sind hochseetauglich, vier 36 Meter-Kutter fahren in der sogenannten „Kleinen Hochseefischerei“. Die Abfahrthäfen der Schiffe sind meist Cuxhaven oder Bremerhaven.

 

Ausgeklügeltes Kühlsystem und moderne Technik

Der Umriss der „Jan Maria“ wird langsam kleiner. Das Schiff des niederländischen Familienunternehmens Parlevliet & van der Plas (P & P), das zu den größten Hochseefischereikonzernen Europas zählt, fährt die Weser hinunter in Richtung Nordsee. Es geht für die 40 Männer auf eine lange Fangfahrt. Bis zu anderthalb Monate ist der Fischtrawler auf See, bevor er seine wertvolle Ladung an Land bringt. Das ist nur durch ein ausgeklügeltes Kühlsystem und moderne Technik möglich.

 

Starke Motorwinden holen das Netz ein

„Die ‚Jan Maria‘ ist ein sogenannter Heckfänger“, erklärt Dr. Uwe Richter, der die Geschäfte von P & P in Deutschland leitet und verantwortlich für die Bremerhavener Reederei Doggerbank Seefischerei ist, die das Fangfabrikschiff betreibt. Auf einem Heckfänger wird das Netz über den hinteren Teil des Schiffes ins Wasser gelassen. Noch bis in die 1980er-Jahre hinein sind die deutschen Fischdampfer als Seitenfänger gefahren. „Das Einholen des Netzes über das Heck des Schiffes ist wesentlich einfacher“, so Richter. Es können so auch wesentlich größere Netze verwendet werden. Auf der „Jan Maria“ wird das Einholen von starken Motorwinden erledigt.

 

Fangmethode mit Netzen, Pumpen und Rohren

Dazu gibt es auf dem Schiff einen weiteren entscheidenden Vorteil, der die Menge des gefangenen Fisches deutlich erhöht. „Viele herkömmliche Heckfänger holen ihr Netz komplett zurück an Bord und leeren es erst dort“, erklärt Uwe Richter. Auf der „Jan Maria“ wird eine andere Technik verwendet. „Sobald das Netz an der Wasseroberfläche ist, öffnen wir es vorsichtig. Der gefangene Fisch wird dann über ein Rohr mit einer großen Pumpe direkt aus dem Netz gesaugt.“ So werde eine Menge Zeit gespart und das Netz könne in Rekordzeit wieder erneut ins Wasser gelassen werden.

 

Fangfahrten führen bis nach Afrika

Unterwegs ist die „Jan Maria“ hauptsächlich in europäischen Gewässern wie der Nordsee, in der irischen See oder westlich von England. Gefischt wird hier auf Hering, Blauen Wittling, Holzmakrele und Makrele. Aber auch bis vor die afrikanische Küste kann die Fangfahrt führen. Der Schiffsbauch der „Jan Maria“ ist groß. Bis zu 5.000 Tonnen Fisch passen in die Lagerräume hinein. Dass der Fang nicht verdirbt, liegt an der speziellen Kühltechnik des Hightech-Schiffes.

 

Fisch wird zu Blöcken gefroren

Der Fisch gelangt über das Rohrsystem in die „Fischbunker“ – ein Zwischenlager mit großen geschlossenen Behältern. Der Fang wird durch ein Wassergemisch auf ein bis drei Grad heruntergekühlt und läuft weiter durch Rohre auf das Produktionsdeck. Hier sortieren die Seemänner ihn nach Größe und frieren den Fisch zu einzelnen, rechteckigen Blöcken ein. So muss der Fang nicht bearbeitet werden. Bis zum Ende der Reise zur Anlandung im Hafen liegt er in den großen Tiefkühlräumen.

 

2016 mehr als 40.000 Tonnen Fisch gefangen

2016 hat die „Jan Maria“ neun Fangfahrten zurückgelegt und dabei 41.000 Tonnen Fisch gefangen. „Je nach Fahrtroute wird der Fisch auch mal im Ausland angelandet“, sagt Uwe Richter. Meistens aber wird er in Bremerhaven an Land gebracht. Dann geht es auf den Kajen im Fischereihafen richtig zur Sache. Zwei bis drei Tage dauert es, bis der gesamte Fisch mit Kränen und Gabelstaplern von den Schiffsladeräumen in die Kühlhäuser gebracht ist. „Wir haben neben der Mannschaft auf dem Schiff weitere 70 Beschäftige an Land – bei der Reederei und in den beiden Kühlhäusern.“ Dort können bis zu 24.000 Tonnen Fisch gelagert werden.

 

Zweitgrößter deutscher Fischtrawler

Mehr Fisch auf einer Seereise als die „Jan Maria“ kann nur noch die „Maartje Theadora“ mit einer Menge von 6.000 Tonnen fangen. Der ebenfalls unter deutscher Flagge fahrende Trawler gehört auch zur P & P-Gruppe, die insgesamt sechs Schiffe in Deutschland betreibt. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir die ‚Jan Maria‘ in unserer Flotte haben“, sagt Uwe Richter. „Es ist ein beeindruckendes Schiff und etwas ganz Besonderes. Unter anderem auch, weil es 1986 hier in der Seestadt an der Weser gebaut wurde – als letzter deutscher Hochsee-Fischtrawler mit dem Heimathafen Bremerhaven.“

 

Pressekontakt: Doggerbank Seefischerei GmbH, Dr. Uwe Richter, Tel.: 0471 926500, E-Mail: ur@seafrozen.de 

 

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden.

Auf www.pressedienst.bremen.de  gibt es alle bis August 2016 veröffentlichten Artikel. Alle aktuellen Artikel ab August 2016 finden Sie auf der Seite der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

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Hinweis zum Bilddownload in der Marginalspalte: Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

 

Bildunterschriften
Foto 1: Deutschlands zweitgrößter Fischtrawler: die „Jan Maria“ aus Bremerhaven. © Doggerbank Seefischerei GmbH

Foto 2: Klassisches Handwerk an Bord des HighTech-Schiffes: Netze knüpfen und reparieren. © Doggerbank Seefischerei GmbH

Foto 3: Fetter Fang: Die Fische werden sofort aus dem Netz geholt. © Doggerbank Seefischerei GmbH

Foto 4: Die gefangenen Fische werden noch an Bord sortiert und zu einzelnen Blöcken tiefgefroren. © Doggerbank Seefischerei GmbH

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