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Bremerhaven City von der Weser aus gesehen
Wirtschaftsförderung Bremerhaven

Bremerhavener Spezialisten erklimmen Windkraftanlagen in der Nord- und Ostsee

13.02.2017, Autor: Wolfgang Heumer

Wenn das Team des Bremerhavener Unternehmens mh² offshore GmbH an Bord eines Schiffes geht, hat es die Bergsteiger-Ausrüstung immer dabei. Die Facharbeiter und Ingenieure setzen Windkraftanlagen auf Nord- und Ostsee instand. Die Existenzgründer haben mit dem Service erfolgreich eine Marktnische erklommen.

Manchmal muss es vor einem erfolgreichen Aufstieg erst einmal ein Stück bergab gehen. Für Markus Hummel, René von der Hellen und Jens Metzen trifft das im doppelten Sinne zu. Erst verloren sie durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers den Job, dann wurden sie selbst zu Unternehmern. Der Weg ihrer Firma führt seit zwei Jahren nicht nur wirtschaftlich nach oben: Mit ihrem Service-Unternehmen mh² offshore GmbH haben sich die drei auf Arbeiten in der schwindelnden Höhe riesiger Offshore-Windkraftanlagen spezialisiert. Für den Einsatz hoch über den Wellenbergen der Nord- und Ostsee lassen sie ihre Facharbeiter und Ingenieure extra als Industriekletterer ausbilden: „Damit haben wir erfolgreich eine Marktnische besetzt“, freut sich Markus Hummel.

Von der Fachabteilung zur Firmengründung

Allen politischen Zweifeln zum Trotz haben sich die Windkraftanlagen auf hoher See zu einem wichtigen Eckpfeiler der Energiewende entwickelt. In Nord- und Ostsee stehen derzeit 947 bis zu 180 Meter hohe „Windmühlen“ mit einer Gesamtleistung von 4108 Megawatt; in 2016 lieferten sie 13 Milliarden Kilowattstunden Strom. Während die von der Bundespolitik gezogene Ausbaubremse der jungen Offshore-Industrie an Land erhebliche Sorgen bereitet, gibt es auf See genug zu tun: „Die Anlagen müssen gewartet und die Stahlkonstruktionen, auf denen sie stehen, regelmäßig geprüft und instand gesetzt werden“, erläutert Hummel.

Den Bedarf hatte schon sein früherer Arbeitgeber erkannt und Hummel mit dem Aufbau einer entsprechenden Fachabteilung beauftragt. „Wir waren sehr schnell erfolgreich am Markt und haben als Profitcenter gute Ergebnisse erzielt“, erinnert sich der 32-Jährige, der an der Hochschule Bremerhaven Maritime Technologie studiert hat. Doch sein Arbeitgeber fand für das Hauptgeschäft - die Fertigung riesiger Offshore-Stahlfundamente – keine tragfähige wirtschaftliche Basis. Als die Firma Insolvenz anmelden musste, „sind wir ins kalte Wasser gesprungen und haben das eigene Unternehmen gegründet“, berichtet Markus Hummel. Leicht hat er sich die Entscheidung allerdings nicht gemacht: „Unsere Tochter war gerade zwei Wochen alt, da überlegt man sehr genau ein solches Risiko einzugehen.“

Erfolgreich dank schwindelfreier Zusatzausbildung

Lange überlegen konnten Hummel und seine Kollegen nicht – zu ihrem Glück. „Wir hatten sehr schnell einen ersten Kunden“, erinnert sich Hummel, „allerdings war Voraussetzung, innerhalb von sechs Wochen eine GmbH zu gründen und ins Handelsregister eintragen zu lassen.“ Der Spurt durch die Amtsstuben gelang unter anderem auch mit Hilfe der Wirtschaftsförderer der BIS Bremerhaven. Im April 2015 nahm die mh2 offshore GmbH ihre Arbeit mit sechs Beschäftigten auf. Im Sommer waren es bereits 13, mittlerweile sind es 15: „Wir haben unser altes Team aus der damaligen Firma beinahe wieder zusammen.“

Stahlbauunternehmen gibt es in der maritim geprägten Industrie an der Küste fast wie Sand am Meer. Doch die wenigsten Firmen verfügen über „Bergsteiger“ für den Einsatz auf hoher See. Die meisten der Stahlbau- und Schweißspezialisten der mh² offshore GmbH haben eine Zusatzausbildung als Industriekletterer, sind befähigt Kräne zu bedienen und haben die erforderlichen Sachkundigenprüfungen für Höhensicherungsgeräte abgelegt. „Das ermöglicht uns Einsätze insbesondere an Windkraftanlagen, die kaum ein anderes Serviceunternehmen leisten kann“, versichert Hummel.

Sicherheit hat höchste Priorität

Wer Offshore arbeitet, muss seinen Job lieben. Erstaunlich: Keiner aus dem Team hatte vorher etwas mit Klettern zu tun. „Sie haben die Industriekletterei extra für die Arbeit bei uns gelernt“, so Hummel. Voraussetzung dafür ist aber nicht nur schwindelfrei zu sein: „Man muss selbstständig arbeiten können, sehr verantwortungsbewusst und umsichtig sein“, betont Hummel. Und man muss sich und den Kollegen selbst helfen können, falls etwas schiefläuft: „Da draußen gibt es keine Feuerwehr, die einem zu Hilfe kommt.“ Sicherheits- und Rettungsausbildungen haben deswegen einen extrem hohen Stellenwert; jeder, der draußen arbeitet, muss sein Wissen und Können jährlich in Spezialseminaren auffrischen.

Fast jeder Beschäftigte der mh² offshore GmbH ist für den Einsatz auf hoher See befähigt. Auch die Chefs haben die notwendigen Sicherheitsunterweisungen, um auf den Baustellen draußen in der Deutschen Bucht nach dem Rechten sehen zu können. Dennoch bleibt Markus Hummel eher an Land. Die drei Gründer haben die Aufgaben unter sich aufgeteilt: René von der Hellen kümmert sich um die technischen Planungen und Abwicklung der Aufträge, Jens Metzen leitet den Betrieb, Hummel verantwortet als CEO den wirtschaftlichen Erfolg des jungen Unternehmens. Um den macht er sich aber keine Sorgen: „Offshore-Windkraft ist eine Zukunftstechnologie. Es gibt mehr als genug zu tun und unser Know-how ist sehr speziell.“

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden.

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Bildunterschriften

Foto 1: Industriekletterer bei der Installation einer Regenwasserleitung beim Offshore Windpark „Baltic 2“ in der Ostsee © mh² Offshore GmbH

Foto 2: Die Gründer von mh² (v.l.n.r.): Markus Hummel, Jens Metzen und René von der Hellen ©mh² offshore GmbH

Foto 3: Industriekletterer bei der wiederkehrenden Prüfung und Inspektion der Seilzugangstechnik beim Offshore-Windpark „Amrumbank West“ ©mh² offshore GmbH

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