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Wirtschaftsförderung Bremerhaven

"Tour de Fisch": Per Bus durch den größten Kühlschrank Europas

28.08.2017, Autor: Helmut Stapel
Fisch spielt in Bremerhaven eine große Rolle. Die Stadt an der Nordseeküste ist nicht nur die Fischstäbchen-Hauptstadt der Welt. Es gibt noch viel mehr Fischgeschichten zu erzählen. Erfahren kann man diese bei einer einzigartigen Busrundfahrt: der „Tour de Fisch“.

Frau Fischer erzählt Fischgeschichten: Per Bus durch Bremerhavens Häfen


Einmal mit dem Doppeldeckerbus durch die Fisch-Welt – möglich ist das in Bremerhaven. Auf der „
Tour de Fisch“ erfahren die Gäste alles über Fischfang, Lebensmittelproduktion und Weltrekorde in der Seestadt. Allein die Zahl der hier gefertigten Fischstäbchen ist riesig.

Doppeldeckerbus startet am Schifffahrtsmuseum

Der Name der Gästeführerin ist Programm: Gisela heißt mit Nachnamen Fischer. Das passt, denn sie wird die gut zweistündige „Tour de Fisch“ in Bremerhaven begleiten, die an diesem Tag rund 80 Fahrgäste gebucht haben. Die Seestadt ist mit dem Schiffbau verbunden – und der Schiffbau mit dem Fisch. „Bei uns wurde im Jahr 1885 der erste deutsche Fischdampfer gebaut, die Sagitta“, sagt Gästeführerin Gisela. Fisch spielt auch heute noch eine große Rolle, aber das erzählt die 65-Jährige später. Erst einmal geht es mit dem gelb-weißen Doppeldeckerbus am Deutschen Schiffahrtsmuseum los, direkt am Deich.

Mehr als zehn Millionen Fischstäbchen – täglich

Es geht Richtung Fischereihafen, im Jahr 1896 gegründet, und Gisela Fischer weiß – dort angekommen – ihre Zuhörer in Erstaunen zu versetzen. Als sie sich die Zahl der täglich hier produzierten Fischstäbchen auf der Zunge zergehen lässt, können die Fahrgäste ein beeindrucktes „Oooooh“ nicht unterdrücken. „Es sind mehr als zehn Millionen Stück. Würde man diese Reihe aneinanderlegen, hätte man jeden Tag eine Linie von Bremerhaven bis runter nach Stuttgart.“ Anders ausgedrückt: Die Stadt an der Nordseeküste ist die Fischstäbchen-Hauptstadt der Welt.

Der letzte deutsche Fischtrawler als Seitenfänger

Im Fischereihafen-West fährt der Bus schließlich zu einem grün-weißen Schiff. „Hier sehen Sie den letzten deutschen Seitenfänger: die MS Gera. Das gut 65 Meter lange Museumsschiff war noch bis 1990 im Dienst. An Bord erfahren Sie alles über die Hochseefischerei und das Leben auf See“, kündigt Fischer an, die seit sechs Jahren für die Erlebnis Bremerhaven GmbH als Gästeführerin arbeitet. Der Bus hält an, als die Passagiere aussteigen, zieht aus einer nahen Fischräucherei der würzige Duft von brennendem Buchenholz herüber.

Zeitreise mit der Bordapotheke

Das macht Appetit. Da passt es, dass auf dem kurzen Weg zum Hafenbecken drei Damen warten, in der Hand Tabletts mit Schnittchen. Es gibt frischen Heringssalat und eingelegten Fisch. Zwei Möwen landen auf einer Laterne und beäugen von oben, wie sich die Situation entwickelt. Doch es bleibt nichts für sie übrig. An Bord der MS Gera beginnt für Kerstin Bendt aus Berlin eine wahre Zeitreise. Die alte Bordapotheke weckt bei der 53-Jährigen Kindheitserinnerungen – und die sind bitter. „Fagusan“, schmunzelt sie und schüttelt beim Blick auf ein Flaschenetikett lachend den Kopf. „Das hat meine Mutter mir immer als Hustensaft eingetrichtert. Schmeckt wirklich übel – aber wirkt.“

Ölgeruch und steile Metallleitern

Die Gäste erfahren, dass ein sogenannter Seitenfänger das Netz über die Schiffsseite einholt und dass ein Fischtrawler so heißt, weil er das Netz hinter sich herzieht. Der Name kommt aus dem Englischen, „to trawl“ heißt „etwas ziehen“. Im Maschinenraum schnuppern die Besucher den Ölgeruch der beeindruckenden Maschine, bevor sie über steile Metallleitern wieder hinaufsteigen und einen Blick in die Mannschaftskajüten und die Schiffsküche werfen.

Produktionsort der großen Fisch-Konzerne

Weiter geht die „Tour de Fisch“, die seit April 2017 angeboten wird. Der Bus fährt zwischen den alten Backsteinhallen aus der Gründerzeit des Bremerhavener Fischereihafens hindurch. Über den Türeingängen erinnern bunte Keramik-Platten mit Meeresmotiven, Fischen und wogenden Wellen an die alten Zeiten. „Neben den vielen kleinen Firmen hier ist Bremerhaven vor allem auch bekannt für die Produkte der großen Konzerne. Nordsee, Frosta, Deutsche See, Iglo – alle produzieren hier in Bremerhaven “, erzählt die Gästeführerin.

Der größte Kühlschrank Europas

Es geht vorbei an großen Produktionshallen. „Insgesamt arbeiten hier im Fischereihafen mehr als 8.000 Menschen in rund 400 Betrieben. 60 davon sind fischverarbeitende Unternehmen“, erzählt Gisela Fischer. Damit ist Bremerhaven eines der wichtigsten Zentren der Lebensmittelproduktion in Europa. Neben Fischprodukten werden hier vor allem auch Fertiggerichte im Tiefkühlbereich hergestellt. „Der Fischereihafen wird deshalb auch der größte Kühlschrank Europas genannt“, sagt die 65-Jährige, die in der Nähe von Bremerhaven lebt.

Platz für mehr als 140.000 Paletten

Tatsächlich wird ein Großteil des Fisches heutzutage tiefgefroren für die Produktion angeliefert. Die großen Fangschiffe sind sogenannte Vollfroster. Sie können auf einer einzigen Fahrt bis zu 5.000 Tonnen Fisch fangen. Er wird sofort an Bord verarbeitet. Der gefrorene Fisch trifft dann per Schiff oder Lkw im Fischereihafen ein. In den hochaufragenden Kühlhäusern lagern außer der Rohware auch fertige Produkte. Insgesamt gibt es in den Kühlhäusern im Fischereihafen Platz für mehr als 140.000 Standard-Paletten mit Tiefkühlware.

„Fischkompetenz pur“

Der Doppeldeckerbus fährt durch eine Stichstraße auf das nächste Hafenbecken zu. Hier liegt das Fischereiforschungsschiff des Bundes, die Walther-Herwig III. Gleich gegenüber entsteht für 40 Millionen Euro ein Neubau. Die Bundesinstitute für Seefischerei und Fischereiökologie werden hier im Mai 2018 einziehen. „Fischkompetenz pur“, sagt Gisela Fischer und verbindet die Fahrt entlang des Hafenbeckens mit einem Schlenker zurück zum Schiffbau. Die Schwimmdocks einer Werft rücken ins Blickfeld. „Wer den ersten deutschen Fischdampfer bauen kann, hat natürlich Ahnung von Schiffen. Da drüben wird aktuell das bekannte Segelschulschiff Gorch Fock saniert.“

Seemännische Grundbegriffe im Schnellkurs

Wer so viel über Fisch und Schifffahrt erfährt, sollte auch ein paar seemännische Grundbegriffe mit auf den Weg bekommen. Sie bleiben bei den Tourgästen allerdings nicht gleich haften. Wenn Gisela Fischer mit lautem „Steuerbord“ nach rechts weist, dreht sich mancher Kopf anfangs nach links. Im Laufe der Rundfahrt spielt sich das aber ebenso ein, wie das Schätzen von Produktionsmengen. „Was glauben Sie wohl, wie viel Fisch pro Jahr im Fischereihafen verarbeitet wird?“, fragt die Gästeführerin gut gelaunt. Die richtige Antwort: 200.000 Tonnen.

Die erdumspannenden Fischstäbchen

Daran haben die Fischstäbchen einen großen Anteil. Die Frage des Tages hebt sich die Gästeführerin deshalb auch für das Ende der Fahrt auf. „Würde man alle Fischstäbchen einer Jahresproduktion aneinanderlegen – wie oft würde diese Kette um die Erde reichen?“ Gespanntes Schweigen im Bus. Gisela Fischer genießt den Moment: „Mehr als vier Mal. Kommen Sie gut nach Hause.“

 

Weitere Infos: https://www.bremerhaven.de/de/tourismus/

Busrundfahrt „Tour de Fisch“: bis einschließlich 4. November 2017
immer samstags um 11 Uhr; Abfahrt: Deutsches Schiffahrtsmuseum, Hans-Scharoun-Platz 1

Preise: Erwachsene 12,00 Euro, Ermäßigte 10,00 Euro

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden.

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Hinweis zum Bilddownload in der Marginalspalte: Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

 

Bildunterschriften
Foto 1: Erklärt auf der Tour de Fisch das Meer, den Fischfang und die Lebensmittelproduktion: Gästeführerin Gisela Fischer. © Helmut Stapel

Foto 2: Schwimmendes Fischereimuseum und einzigartiger Zeitzeuge: der letzte deutsche Seitenfänger MS Gera im Bremerhavener Fischereihafen. © Helmut Stapel

Foto 3: Fischstäbchen bei der Herstellung: jeden Tag werden davon mehr als zehn Millionen Stück in Bremerhaven hergestellt. © Helmut Stapel

 

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