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Pflege mit Medizin verbinden

28.06.2022, Autor: Wolfgang Heumer
Bremerhavener Hochschule tritt mit neuem Studium Ärztemangel entgegen.

Ärztinnen und Ärzte verbringen viel Zeit mit Aufgaben, für die eine akademische Ausbildung sinnvoll, aber kein Medizinstudium erforderlich ist. Deshalb bietet die Hochschule Bremerhaven ab Herbst ein Studienangebot für das neue Berufsbild „Physician Assistant“ an.

Pflegenotstand und Ärztemangel - seit langem operiert das deutsche Gesundheitssystem an der Grenze seiner Möglichkeiten. Prof. Dr. Gerhard Feldmeier von der Hochschule Bremerhaven ist überzeugt, dass dies nicht nur an einer zu geringen Zahl von Medizinern und Medizinerrinnen liegt: „Sowohl in den niedergelassenen Praxen als auch in den Krankenhäusern müssen sich die Ärzte mit Dingen beschäftigen, für die sie gar nicht ausgebildet sind und die auch nicht ihrer Aufgabe als Mediziner entsprechen.“

Entlastung könnte daher ein neuer Beruf bringen, der medizinisches Grundwissen mit Kenntnissen beispielsweise aus Verwaltung und Betriebswirtschaft verbindet, ist Feldmeier überzeugt, der Dekan des Fachbereichs Management und Informationssysteme an der Hochschule Bremerhaven ist. Gemeinsam mit Vertretern aus der medizinischen Praxis hat er ein Bachelorstudium für ein neues Berufsbild im Gesundheitswesen konzipiert: Physician Assistant, übersetzt könnte man medizinische Assistenz sagen. Erstmals wird es in Bremerhaven zum Wintersemester 2022/23 angeboten. „Mit der Ausbildung zum Physician Assistant schließen wir die Lücke zwischen der Pflege und Vollmedizinern und können so zur Verringerung des Pflegenotstandes beitragen“, ist Feldmeier überzeugt.

Ärzte brauchen viel Zeit für Tätigkeiten außerhalb ihrer Aufgaben

Eine Erkrankung diagnostizieren, Behandlungsmethoden entwickeln und ihre Erfolge kontrollieren - das wäre vereinfacht ausgedrückt das Idealbild der Arbeit von Ärztinnen und Ärzten in niedergelassenen Praxen und Krankenhäusern. Tatsächlich kommt aber etliche Arbeit hinzu, die mit den eigentlichen medizinischen Aufgaben nichts oder nicht viel zu tun hat: „Die Bandbreite ist groß, sie umfasst die Vorbereitung von Operationen und Behandlungen bis zur Dokumentation von Befunden und Maßnahmen“, fasst es Feldmeier beispielhaft zusammen, „am Ende kostet dies alles Zeit, die dann für die eigentliche Arbeit des Mediziners fehlt“. Bis zu 70 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Ärztinnen und Ärzte mit Tätigkeiten, die nicht ihren ureigenen Aufgaben entsprechen, schätzt Feldmeier.

„Wesentlicher Beitrag zur Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen“

Zurzeit können Krankenhaus-Mediziner, niedergelassene Ärztinnen oder Gemeinschaftspraxen dies bestenfalls umgehen, wenn sie Pflegekräfte weiterbilden und auf deren Erfahrungen vertrauen. Doch ausreichend sei dies nicht: „Es gibt immer mehr Aufgaben im Gesundheitswesen, die eine akademische Ausbildung erfordern, welche aber nicht das komplette Spektrum eines Medizinstudiums abdecken müssen“, so Feldmeier. Die „Physician Assistants“ sollen im Klinik- und Praxisalltag die Medizinerinnen und Mediziner entlasten, indem sie von diesen delegierte Aufgaben unter ärztlicher Weisung übernehmen. „Auf diese Weise kann eine hohe Qualität der professionellen und nachhaltigen Patientenversorgung gesichert und ein wesentlicher Beitrag zur Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen geleistet werden“, sagt Feldmeier.

Entsprechend umfasst der neue Studiengang in den ersten Semestern naturwissenschaftliche Grundlagen genauso wie Basiswissen aus dem Medizinstudium sowie über Medizintechnik. In den weiteren Semestern wird stehen Diagnose- und Therapieverfahren, Hygiene, Mikrobiologie oder Pharmakologie auf dem Lehrplan, aber auch Inhalte zu den Themen Kommunikation, Medizinrecht, Gesundheitsökonomie und -management sowie Medizinethik. „Bei der Entwicklung des Studiengangs haben wir auf einen großen Praxisbezug Wert gelegt“, betont Feldmeier. Neben praktischen Anwendungsphasen in den ersten drei Semestern gibt es mit dem vierten und siebten Semester zwei komplette Praxissemester.

Studienangebot bietet auch Weiterbildungschance für Fachkräfte

Der neue Studiengang sei für zwei Zielgruppen sehr interessant, sagt Feldmeier. Grundsätzlich richte er sich an junge Menschen mit einem hohen Interesse an einer Tätigkeit im medizinischen Bereich, die aber kein langwieriges Medizinstudium absolvieren möchten. „Dieser Zielgruppe können wir hiermit eine gute berufliche Perspektive geben“, so Feldmeier. Ebenso schafft das Studienangebot ausgebildeten Fachkräften mit vorhandenen berufspraktischen Erfahrungen gute Aufstiegsmöglichkeiten im medizinischen Bereich.

In vielen Ländern existieren bereits Berufsbilder, die dem „Physician Assistant“ entsprechen. Auch in Deutschland gibt es einige vergleichbare Studiengänge, in erster Linie an privaten Hochschulen. „Es handelt sich dabei zum größten Teil um kostenpflichtige Studienangebote“, so Feldmeier. In Norddeutschland bietet Bremerhaven als erste öffentliche Hochschule den Studiengang an. Aber nicht nur deshalb ist Feldmeier überzeugt, dass das neue Studienangebot ein Erfolg wird. „Der neue Studiengang ergänzt ideal die bereits vorhandenen Studiengänge Medizintechnik und Biotechnologie, die ebenfalls medizinische Bezüge aufweisen“, sagt Feldmeier.

Pressekontakt:

Nadine Metzler, Pressesprecherin Hochschule Bremerhaven, Tel.: +49 471 4823499, E-Mail: nmetzler@hs-bremerhaven.de

Bildmaterial:
Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
Foto 1: Prof. Dr. Gerhard Feldmeier hat den neuen Studiengang konzipiert. © WFB/Lehmkühler

Foto 2: Gerhard Feldmeier will Lücke zwischen Pflege und Vollmedizinern schließen. © WFB/Lehmkühler

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Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Journalistinnen und Journalisten den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen.
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