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Baukulturwerkstatt Bremerhaven: "Öffentliche Räume als Motor der Stadtentwicklung"

14.09.2020, Autor: Bundesstiftung Baukultur Potsdam
Wie gut gestaltete öffentlicher Räume nicht nur unsere Lebensqualität verbessern, sondern auch Impulse für die Stadtentwicklung setzen können, zeigte die Baukulturwerkstatt in Bremerhaven anhand von konkreten Planungsstrategien und Exkursionen.

Wie der Baukulturbericht 2020/21 „Öffentliche Räume“ befasste sich auch die Werkstatt am 3. und 4. September mit der Bedeutung und den Potentialen dieser Räume. Besonderes Augenmerk lag dabei auf Chancen für die Stadtentwicklung in Bremerhaven: Rund 60 Bauschaffende erörterten im Deutschen Auswandererhaus und im Technolgiepark TimePort, wie sinnvoll gestaltete öffentliche Räume durch fachübergreifende Planungsprozesse entstehen können. An drei Werkstatt-Tischen wurden lokale Beispiele diskutiert - Veranstaltungspartner war die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS).

Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, sagte: „Wir haben den aktuellen Baukulturbericht bei dieser Baukulturwerkstatt auf den Prüfstand gestellt und das ist in Bremerhaven besonders gut gelungen. Es hat sich herauskristallisiert, dass es im Bezug auf öffentliche Räume besonders wichtig ist, einen Ort mit äußeren Impulsen zu synchronisieren. Geplantes und Gebautes muss unbedingt in die Stadt hineinwachsen.“ Bremerhaven sei eine weltoffene Pionierstadt, die jenseits von regulärer Fachplanung mehr Experimente wagen könne, so Nagel. „Im Jahr 2027 steht das 200. Stadtjubiläum bevor – das könnte ein Zieljahr für die Stadtentwicklung werden“, so Nagel weiter.  

Zum Auftakt der Baukulturwerkstatt in Bremerhaven hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, die Hafenstadt bei zwei Exkursionen näher kennenzulernen. Eine Führung unter der Leitung von Andreas Heller (Andreas Heller Architects & Designers) und Tilman Latz (Latz+Partner) führte durch die Innenstadt und die Havenwelten, einem maritim geprägten Stadtviertel im Bereich des Alten und Neuen Hafens. Hier erfuhren die Teilnehmenden mehr zur Wege- und Platzgestaltung vor Ort und darüber, wie das neue Quartier baulich an die gewachsene Stadtstruktur angeschlossen wurde. Bei einer weiteren Exkursion durch das Werftquartier erläuterten Carolin Kountchev (Leiterin Stadtplanungsamt Bremerhaven) und Nils Schnorrenberger (BIS) die historische Entwicklung und die wirtschaftliche und planerische Besonderheit Bremerhavens als Handelsstadt am Meer. Die Führung zeigte, wie und wo die Stadt seit vielen Jahren ihre Standortentwicklung mit dem Umbau und der Aufwertung öffentlicher Räume verbindet. Derzeit läuft ein internationaler Wettbewerb für die Umnutzung von Teilen des riesigen Industrieareals am Hafen, dessen Planungsbereich 140 Hektar umfasst.

Nach den Exkursionen begrüßten Torsten Neuhoff (Bürgermeister und Kämmerer von Bremerhaven) und Nils Schnorrenberger (BIS) die Anwesenden im New York-Saal des Deutschen Auswandererhauses. Den Hauptvortrag hielt im Anschluss Frau Prof. Dr. Antje Boetius (Leiterin des Alfred-Wegener-Instituts) zum Thema „Klimaschutz und Klimaanpassung – das Leben in der Region neu denken“. Dabei wurde die Notwendigkeit der Klimaanpassung in öffentlichen Räumen deutlich. Diese Aktivitäten müssten Teil einer Doppelstrategie sein, bei der die Vermeidung von CO2 zwingend ist. Ein Impulsvortrag kam anschließend von Sven Bardua (Redakteur und Industriearchäologe), der über die Bremerhavener Nordschleuse referierte, die seit 1931 zentraler Zugang zu den Überseehäfen und heute historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ist. Weitere Impulse setzten am zweiten Tag der Veranstaltung Referentinnen und Referenten an den drei Werkstatt-Tischen. Diese wurden als Arbeitsformat von Julian Petrin moderiert und stand allen Teilnehmenden offen.

Zum Thema „Städtebau und Freiräume“ beleuchteten Claudia Neiden (Stadtplanungsamt Bremerhaven) am Werkstatt-Tisch 1 Details zum Projekt Kistner-Gelände, einem ehemaligen Sandsteinwerk in Bremerhaven. Teil der Diskussion war ein Konzept für Wegeverbindungen, place branding und vielschichtige Freiraumnutzung des ehemaligen Industrieareals. Ein Impulsvortrag zum Gesundheitspark Speckenbüttel kam von Liselotte Gundermann (Gartenbauamt Bremerhaven).

Am zweiten Werkstatt-Tisch zum Thema „Elemente und Infrastruktur“ wurde über die Bremerhavener Columbusstraße debattiert. Dazu diskutierte Nils Schnorrenberger (BIS) Hendrik Pierer, Verkehrsplaner vom Ingenieure Büro Bern mit Bernard-Gruppe den Teilnehmenden unter anderem über Querverbindungen in die Innenstadt, die Aktivierung des Quartiers und die Gestaltung der Blick- und Wegeachsen. Ein Impuls zum Thema „Kaje der Auswanderung“ kam von Andreas Heller (Andreas Heller Architects & Designers).

Am Werkstatt-Tisch 3 „Standortentwicklung und Prozesskultur“ wurde das Werftquartier Bremerhaven unter der Leitung von Carolin Kountchev (Leiterin Stadtplanungsamt Bremerhaven) noch einmal umfassend in den Blick genommen. Teil der Diskussion waren hier unter anderem mögliche Zwischennutzungs-Konzepte, die optimale Anbindung an die Innenstadt, die Flächenpolitik der Stadt und konkrete Pläne für die Bürgerbeteiligung bei der Umnutzung des Werftquartiers.  

Aus den Diskussionen an den Werkstattischen, die Sie zusammengefasst als Video sehen können, kristallisierten sich Empfehlungen und Lösungsansätze heraus, die Grundlage für ein „Bremerhavener Memorandum“ werden sollen. Die nachfolgenden zehn Punkte werden hierzu weiter ausformuliert, zwischen den Teilnehmenden abgestimmt und als Ergebnis der Werkstatt an die Stadt Bremerhaven übergeben.

1.   Den Städtebau aus dem Freiraum heraus entwickeln.
-    Mikrostandort aus dem Makrostandort denken
-    Qualitäten aus dem Umfeld heraus entwickeln

2.   Äußere Anbindung mitdenken, Freiraum qualifzieren und vorab bauen.
-    Infrastruktur als „Wohnvoraussetzung“ schaffen
-    Vorleistungen des „Erschließungsträgers“ müssen erbracht werden
-    Dazu gehört insbesondere die Vorqualifizierung öffentlicher Räume

3.   Durchlässigkeit des öffentlichen Raums verbessern: Barrieren abbauen und mehr Durchbrüche schaffen. Mehr senkrechte Zugänge zum Wasser schaffen.
-    Sackgassen auflösen und neue Wegeräume eröffnen

4.   Den Bestand einbinden – weniger Abriss, mehr historische Schichten bilden.
-    So viel wie möglich graue Energie und Bestand einbinden (aus Klimaschutzgründen, aber auch wegen Identität und Charakter)
-    Chance, aufbauend auf dem Bestand neue Architektursprache entwickeln
-    Historische Schichten als „Humus“ für die Stadtentwicklung nutzen
-    Hafen- und Industriekultur zum Standortthema und zum Motiv des öffentlichen Raums machen

5.   Perspektivwechsel: Bremerhaven als Stadt der Fußgänger.
-     Bremerhaven hat aufgrund seiner Stadtgröße und vielfältigen Nachbarschaft eine hohe Fußgängeraffinität

6.    Referenzen ansehen und das gute Beispiel als Vorbild nutzen.
-     Die Stadt nach gelungenen Vorbildern anderenorts weiterbauen
-     Referenzen auswählen, die zitiert werden können

7.   Mehr schöne Orte Bremerhavens zu Aufenthaltsorten machen.
-     Viele schöne Orte Bremerhavens haben das Potential, von Transfer- zu  Aufenthaltsorten zu werden

8.   Mit (temporären) Brückenschlägen neue Wegeräume eröffnen – Die Mental map erweitern.
-    Durch neue Wegeverbindungen auch Brückenschläge im Kopf erreichen
-    Benachbarte Räume öffnen und durch Abkürzungen und direkte Wegeverbindungen zugänglich machen

9.   Weltoffene Pionierstadt: Mehr Experiment – weniger reine Fachplanung.
-    Weniger auf reine Fachplanung setzen, sondern übergreifend zusammenarbeiten und experimentieren.
-    Bremerhaven kann aufgrund seiner besonderen Geschichte Vorreiter sein und Zeichen setzen

10. „Bremerhaven 2027“ – Zieljahr für die Stadtentwicklung.
-    Es lohnt sich, Zielzahlen aufzumachen für ein besonderes, verlässliches Arbeitspaket
-    Für Bremerhaven könnte das 200. Stadtjubiläum 2027 zum städtebaulichen Zieljahr werden, für ein umfassendes räumliches Leitbild oder den Umbau der Columbusstraße

 

 

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