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AWI-Projekt für Artenvielfalt ausgezeichnet

27.05.2020, Autor: Pressestelle AWI
Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für die biologische Vielfalt erklärt. Für ein langfristiges Wiederansiedlungsprogramm von Saataustern wurde das AWI von der UN ausgezeichnet.

Das Projekt zum „Aufbau einer nachhaltigen Produktion von Saataustern für ein langfristiges Wiederansiedlungsprogramm (PROCEED)“ des Alfred-Wegener-Instituts ist als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden. Diese Auszeichnung wird an vorbildliche Projekte verliehen, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzen.

Die Europäische Auster Ostrea edulis, einst eine weit verbreitete Art in der Nordsee, gilt in Deutschland aufgrund intensiver Befischung als ausgestorben. Als Schlüsselart für ihren Lebensraum hat sie viele positive Effekte auf andere Tier- und Pflanzenarten und erbringt wichtige Ökosystemleistungen. Durch ihre Vorliebe, auf den Schalen der eigenen Artgenossen zu siedeln, bilden Austern nach und nach über Generationen biogene Riffe. Diese Riffe bieten einer Vielzahl weiterer Lebewesen Nahrung, Schutz und Lebensraum. Ein intaktes Austernriff steigert damit unmittelbar die biologische Vielfalt des umliegenden Ökosystems. Seit Anfang des letzten Jahrhunderts fehlen diese wertvollen sublitoralen Riffstrukturen in der Deutschen Bucht, die der Bedeutung und der Artenvielfalt von Korallenriffen sehr nahe sind.

„Solche Austernriffe gehören einfach zur Ökologie der Nordsee und PROCEED leistet einen entscheidenden Beitrag diese wiederaufzubauen. Wir freuen uns sehr, dass dieses wichtige deutsche Projekt internationale Anerkennung bekommt,“ sagt Prof Dr. Karen Wiltshire, Leiterin der Küstenforschung am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Um die Rückkehr dieser wichtigen heimischen Austernart zu ermöglichen, muss die Versorgung mit entsprechenden Jungaustern gegeben sein. Forschung und Technologieentwicklung im Rahmen des PROCEED Projektes ermöglichen den Aufbau einer innovativen Aufzuchtanlage auf Helgoland. „Hier werden gesunde, junge Austern gezüchtet, die für die Wiederansiedlung geeignet sind. Dafür ist Helgoland, als Hochseestandort mit hoher Wasserqualität, ideal. Die Zucht erfolgt in mehreren Schritten vom Austernei zur Larve und schließlich zur Jungauster. Diese jungen Saataustern werden dann im Rahmen von Meeresnaturschutzmaßnahmen in Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz wiederangesiedelt“, erklärt Projektleiterin Dr. Bernadette Pogoda.

PROCEED, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird, versorgt nicht nur deutsche Wiederansiedlungsmaßnahmen mit Saataustern, die durch das AWI-Vorhaben RESTORE zunächst im Meeresschutzgebiet Borkum Riffgrund erfolgen, sondern stärkt gleichzeitig die Zusammenarbeit der europäischen Wiederansiedlungsprojekte über das Netzwerk der Native Oyster Restoration Alliance (NORA: www.noraeurope.eu).

Besonders wichtig ist darüber hinaus der intensive Wissenstransfer in die Gesellschaft. Die Europäische Auster soll als wichtige ökologische Schlüsselart in der deutschen Nordsee wahrgenommen werden. Diese Aktivitäten haben die UN-Dekade-Fachjury nachhaltig beeindruckt: „Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein deutliches Zeichen für das Engagement zur Erhaltung biologischer Vielfalt in Deutschland gesetzt.“

Stellvertretend für das PROCEED Team erhält Projektleiterin Dr. Bernadette Pogoda eine offizielle Urkunde, ein Auszeichnungsschild und einen kleinen „Vielfalt-Baum“ aus Holz, der symbolisch für die Naturvielfalt steht. Ab sofort wird das Projekt auf der Webseite der UN-Dekade in Deutschland unter www.undekade-biologischevielfalt.de/projekte/aktuelle-projekte-beitraege/detail/projekt-details/show/wettbewerb/3090/ vorgestellt.

 

Hintergrundinformationen:

PROCEED wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltige Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können.

Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreter/innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Die UN-Dekade Fachjury tagt zweimal im Jahr. Weitere Informationen zur UN-Dekade Biologische Vielfalt unter www.undekade-biologischevielfalt.de

 

AWI-Wissenschaftlerin Bernadette Pogoda wurde für ihr Projekt von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Marlena Witte)

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